Wie kam es zu dieser katastrophalen Situation? Nach Kriegsende wurde der nördliche Teil Ostpreußens, etwa so groß wie Schleswig-Holstein, mit dem Einverständnis der Alliierten unter sowjetische Verwaltung gestellt. Umbenannt zur Oblast Kaliningrad, baute Moskau die Region zu einem militärischen Sperrbezirk aus und schloss im Sommer die neu gezogene innerostpreußische Grenze nach Süden hin. Gut 200 000 Deutsche, die sich noch in diesem Gebiet befanden, saßen fest. Die Selbstversorgung auf den eigenen Höfen wurde unterbunden, wenn überhaupt gab es Arbeit und etwas Brot in den neuentstehenden Sowchosen, den landwirtschaftlichen Produktionsstandorten der Roten Armee. Hunger grassierte. Im Frühjahr 1947, auf dem Höhepunkt der ostpreußischen Hungersnot, machten sich Kinder, die noch bei Kräften waren, auf den Weg nach Litauen. Wie ein Lauffeuer ging in jenen Wochen die Kunde durch ihre Reihen, dass man im Nachbarland Bauern finden konnte, die deutschen Bettlern zu essen gaben. Diese Vorstellung wirkte elektrisierend.
Während die innerostpreußische Grenze im Süden bewacht und undurchlässig war, da diese nun die neue Außengrenze der Sowjetunion bildete, standen die Chancen besser, die Grenze nach Norden und Osten zu überwinden. Tausende Mädchen und Jungen fuhren von Königsberg aus als blinde Passagiere mit Güter- oder Personen‧zügen oder hofften auf Mitnahmegelegenheiten per Lkw. Ungeachtet des Wetters und der Jahreszeit hockten sie sich auf Puffer, Trittbretter und Dächer, setzten sich in offene Waggons oder versteckten sich inmitten der Ladung. …
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