Das Ergebnis ist ernüchternd: Obwohl von den 1960er bis in die 1980er Jahre Morde, Bombenanschläge und zahlreiche weitere Delikte auf das Konto rechtsterroristischer Gruppen gingen, verharmlosten (konservative) Medien, Wissenschaft, Politik und Behörden diese Taten in erstaunlichem Maße, indem sie die Täter als verwirrte Einzelgänger darstellten – intellektuell anspruchslos oder gar durch die DDR gesteuert. Von all dem kann aber gar nicht oder nur sehr eingeschränkt die Rede sein, wie Muschiol auf breiter Quellenbasis herausarbeitet.
Sein Buch widmet sich den Zuschreibungen der Zeitgenossen, den rechtsterroristischen Akteuren, ihren biographischen Prägungen ebenso wie ihren Feindbildern, internationalen Vernetzungen und ihrem Kommunikationsverhalten. Manche Täter waren durch das Elternhaus bereits entsprechend politisch sozialisiert worden. Bei der Bundeswehr kamen sie mit ihren Ansichten selten oder erst spät in Konflikt mit Vorgesetzten. Ein Teil der Täter kam zwar aus der DDR, lässt sich aber gerade nicht als Agenten begreifen.
Zu den rechten Feindbildern gehörten Linke, „Ausländer“, Juden bzw. Israel und in Teilen auch die Vereinigten Staaten. Internationale Kontakte bestanden zu Terroristen in Südtirol und im Elsass ebenso wie zu Gesinnungsgenossen in den USA. Auch Kontakte zur arabischen Welt kamen durch das gemeinsame Feindbild Israel leicht zustande. Die Täter kommunizierten ihre Taten in die eigene Szene hinein und nutzten Gerichtsprozesse als Bühne, um ihre Ansichten zu verbreiten und sich als nationale Märtyrer darzustellen.
Im Ergebnis zeigt die Untersuchung, dass es sich gerade nicht um sozial isolierte Täter handelte und die zeitgenössischen Interpretationen folglich zu simpel waren. Ein wiederkehrendes Problem war, dass die Täter sich vor allem gegen solche Personen und Institutionen wandten, denen man bis weit ins konservativ-bürgerliche Lager hinein ablehnend gegenüberstand. So kam ein bagatellisierender Selbstbestätigungszirkel in Gang, der einer ergebnisoffenen Auseinandersetzung mit dem rechten Terror im Weg stand. Das Bild einer „geglückten Demokratie“ (Edgar Wolfrum) wird man angesichts dieser Ergebnisse weiter differenzieren müssen.
Autor: Dr. Sebastian Rojek





