Die Doppelkapelle St. Crucis bei Landsberg in Sachsen-Anhalt ist eine weithin sichtbare Landmarke – und ein prachtvolles Relikt mittelalterlicher Architektur. Diese in der Zeit der Staufer errichtete Kapelle bildet heute das einzige über der Erde sichtbare Zeugnis einer bedeutenden Höhenburg aus dem hohen und späten Mittelalter. Errichtet wurde diese Burg Landsberg im 12. Jahrhundert von Dietrich, einem der drei Söhne des Markgrafen Konrad dem Großen von Meißen aus dem Adelsgeschlecht der Wettiner.
Bauherr mit Nähe zu Kaiser Barbarossa
Markgraf Dietrich gehörte den historischen Überlieferungen nach zum nahen Umfeld von Kaiser Friedrich Barbarossa und hatte mit diesem auch am Italienfeldzug teilgenommen. Dies passt auch zu der Tatsache, dass Doppelkapellen damals vorwiegend von den Staufenkaisern und ihrer Entourage errichtet wurden. Die prachtvolle Architektur und Bauornamentik des um 1182 fertiggestellten Kirchenbaus lassen zudem vermuten, dass auch die unter der Ägide von Dietrich gebaute Höhenburg ähnlich aufwendig war. Doch von den Bauten dieser Burg sind heute keine oberirdischen Reste mehr erhalten.
Deswegen führen Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg schon seit 2021 Ausgrabungen auf dem Burgberg durch. Im Zentrum stehen dabei die im Untergrund liegenden Reste der mittelalterlichen Höhenburg und möglicher Vorgängeranlagen. Trotz der relativ kleinen Untersuchungsfläche bestätigen die aktuellen Befunde die einstige Bedeutung der Burg. So haben die Archäologen unter anderem Mauerreste entdeckt, die zum Teil verputzt und mit eingeritzten Fugen dekoriert waren. Fragmente von Ofenkacheln zeugen davon, dass die Burg einst beheizbare Wohnräume besaß – ein Luxus, der im Mittelalter wohlhabenden und hochrangigen Persönlichkeiten vorbehalten war.
Burgalltag und erste Hinweise auf eine Vorgängeranlage
Über den Mauerresten stießen die Archäologen auf eine sogenannte Planierschicht – eine Schicht aus Trümmern, Schutt und Gegenständen, die bei der Zerstörung der Burg entstanden sein muss. In ihr entdeckten sie reichhaltiges Fundmaterial aus dem 12. bis 15. Jahrhundert. Die insgesamt rund 500 Funde – darunter verschiedene Kochgeschirre, Trinkgefäße und Vorratsbehälter ebenso wie Münzen und Würfel – geben Einblick in den Alltag der Bewohner dieser mittelalterlichen Burg. Gleichzeitig verrät das Alter der Planierschicht aber auch, dass die Burg Landsberg nicht erst in der frühen Neuzeit zerstört wurde wie bisher angenommen. Stattdessen erfolgte die Zerstörung offenbar schon im Mittelalter, wie die Archäologen berichten.
Interessant auch: Unterhalb der Burgruinen aus der Stauferzeit entdeckte das Team Relikte einer noch älteren Vorgängeranlage aus dem 9. bis 11. Jahrhundert. Die aus dieser Zeit stammenden Kulturschichten machen es nach Ansicht der Archäologen wahrscheinlich, dass auf dem Kapellenberg die Kernburg einer der umfangreichsten Befestigungsanlagen Sachsen-Anhalts aus der spätkarolingischen bis ottonischen Zeit lag. Die Forschenden hoffen, dass weitere, flächigere Ausgrabungen ein noch besseres Bild dieser Anlage, aber auch der Höhenburg mit ihrer Doppelkapelle liefern werden.





