Die architektonischen Zeugnisse geben Einblick in das jüdische Leben, das spätestens um 1250 in Erfurt Einzug erhielt. Davon zeugen neben den im Jahr 2007 entdeckten Überresten des jüdischen Ritualbades vor allem die Alte Synagoge, die als älteste der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Synagogen in Europa gilt. Die Grundsteinlegung lässt sich gemäß dem archäologischen Befund auf die Zeit um 1100 datieren. Unzählige Umbauten und Ergänzungen wie die Umfunktionierung zu einem Lagerhaus nach dem Pogrom von 1349 oder die gastronomische Nutzung seit der Zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, veränderten das Gesicht der Synagoge, dokumentieren aber auch die wechselvolle Nutzungsgeschichte des Bauwerks.
Der Tatsache, dass die Synagoge durch diese zahlreichen Umbauten und Umnutzungen nicht mehr als solche erkennbar war, ist es zu verdanken, dass sie Pogromnacht von 1938 unversehrt überstanden hat. Heute beherbergt die Synagoge die Ausstellung zur Geschichte und Kultur der jüdischen Gemeinde Erfurts. Mit dem Museum ist für die Öffentlichkeit ein Ort geschaffen worden, der neben der Baugeschichte zahlreiche Exponate zeigt, die die Stellung und Bedeutung der Erfurter Judengemeinde im mittelalterlichen Europa dokumentieren. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist der 1998 bei Ausgrabungen im ehemaligen jüdischen Viertel ans Tageslicht gebrachte Schatz, der von seinem Umfang und der Zusammenstellung her einzigartig ist. Mit 3141 Silbermünzen und 14 Silberbarren sowie etwa 600 Schmuckstücken aus der Zeit der gotischen Schmiedekunst des 13. und 14. Jahrhunderts zählt er zu den umfangreichsten und besterhaltenen Schätzen des europäischen Mittelalters. Das wichtigste Stück des Erfurter Schatzfundes bildet ein aus purem Gold bestehender jüdischer Hochzeitsring aus dem frühen 14. Jahrhundert, der als solcher grundlegender Bestandteil der jüdischen Hochzeitszeremonie war.
Um der Einmaligkeit und Bedeutung gerecht zu werden, die der Schatzfund und die mittelalterlichen Baudenkmale für das jüdische Erbe in Erfurt besitzen, strebt die Stadt die Verleihung des UNESCO-Weltkulturerbestatus für die Alte Synagoge zusammen mit der Mikwe an. Hierdurch soll der Willen zur Verpflichtung verdeutlicht werden, diese Zeugnisse in Gegenwart und Zukunft zu erhalten.





