Welskopp stellt zunächst die Diskussion im Vorfeld der Prohibition knapp dar. Ihm geht es aber hauptsächlich um die Frage, wie die Gesellschaft mit dem strikten Alkoholverbot umging, sobald dies gesetzlich festgeschrieben worden war. Wurden alle Amerikaner über Nacht Abstinenzler? Da es für die Jahre der Prohibition keine offiziellen Statistiken über den Alkoholkonsum gibt, müssen Schätzungen angestellt werden. Es scheint, dass in der Tat zwar weniger getrunken wurde, dass jedoch gleichzeitig härtere Alkoholika konsumiert wurden. Da die Händler einem „latenten Verfolgungsdruck“ durch die Polizei ausgesetzt waren, „lohnte sich die Umgehung des Gesetzes am ehesten in der Form von Substanzen, die möglichst kompakt, konzentriert, leicht zu verbergen und schnell und simpel herzustellen waren“. Vieles von dem, was geheim produziert wurde, war qualitativ unzureichend; die Folgen für die Gesundheit der Alkoholkonsumenten waren oftmals verheerend.
Der Untertitel des Buches deutet die Intention des Autors an: Er möchte zeigen, inwieweit die Jahre des erzwungenen Alkoholverbots Amerika gesellschaftlich verändert und geprägt haben. Die bedrohlichste Entwicklung war wohl die Entstehung von Verbrechersyndikaten. Diese erfüllten dabei ein offenkundiges Bedürfnis nach Alkohol. Eine ganze Gesellschaft wurde auf diese Weise kriminalisiert. Da sich rivalisierende Banden bei Streitigkeiten nicht an Gerichte wenden konnten, wurden Konflikte mit Maschinenpistolen an abgelegenen Orten ausgetragen. All dies trug dazu bei, dass die Amerikaner 1933 in jeder Hinsicht ernüchtert auf die Erfahrungen der Prohibition zurückblickten. Welskopps hervorragendes Buch macht dies eindringlich deutlich.
Rezension: Prof. Dr. Georg Schild





