Der breite Kiesweg führt zu einem alten, mit Wildem Wein bewachsenen Haus. Zum Ort eines sensationellen Treffens. Denn Charles de Gaulle pflegte hier nur engste Vertraute zu empfangen. An diesem 14. September 1958 aber war der Regierungschef aus dem noch kurz zuvor feindlichen Deutschland gekommen. Es war ein diplomatischer Kompromiss: Adenauer hatte de Gaulle so reserviert gegenübergestanden, dass er nicht nach Paris kommen wollte. Und de Gaulle wollte Adenauer nicht an einem neutralen Ort begegnen. Aber hier, am Rand des Dorfes Colombey-les-Deux-Églises, nördlich von Dijon gelegen, fanden jene beiden Politiker zueinander, die den Grundstein zur deutsch-französischen Aussöhnung legen sollten.
Noch heute kann man hier in einer Vitrine Konrad Adenauers Gastgeschenk betrachten: eine Pietà aus dem 15. Jahrhundert – die biblische Maria blickt mit weitaufgerissenen Augen ins Leere, voller Entsetzen, im Schoß ihren vom Kreuz abgenommenen toten Sohn. Vielleicht auch damit gewann Adenauer das Herz seines französischen Gastgebers: Beide waren tief verwurzelt im christlichen Glauben. Die Pietà ist eines der eindrucksvollsten Exponate in der „Boisserie“ – Charles de Gaulles Refugium, dessen Erdgeschoss heute öffentlich zugänglich ist. Alles ist fast unverändert: der Salon, das Speisezimmer, die Bibliothek, in der de Gaulle Tausende Stunden mit seinen Büchern zubrachte, das lichtdurchflutete Arbeitszimmer, aus dem er weit ins Land blickte.





