Jetzt könne er „anfangen zu leben wie ein Mensch“, soll Nero gesagt haben, als sein Goldenes Haus endlich bezugsfertig war. Unweigerlich denkt man an den „Sonnenkönig“ Ludwig XIV., an den Zusammenhang von absoluter Macht und schrankenlosem Ausleben des Vergnügens. Die Zeit der römischen Kaiser, erst recht Neros Regierungsjahre, galt schon in der Antike als eine Epoche der nicht mehr zu überbietenden Verfeinerung des Lebensstils.
Die Kaiser wohnten im Herzen Roms auf dem Palatin, auf dem seit der Republik die Paläste der Reichen lagen. Dort zog 54 n. Chr. auch der 16jährige Kaiser Nero ein, von dort blickte er hinüber zum Esquilin, an dem sich die kaiserliche Gartenvilla des Maecenas erstreckte. Bald begann er zu bauen: Ein neuer Palast sollte beide Hügel verbinden, die Domus Transitoria. Das Ende der Arbeiten kam im Juli 64, als ein Brand neun Tage im Zentrum Roms wütete. Nero betrachtete vom Turm der Maecenas-Gärten aus das Schauspiel, das ihm die Gelegenheit zu einem bizarren Gesangsauftritt gab – und die Chance, in dem ruinierten Stadtareal „richtig“ zu bauen. Kriegsmaschinen halfen dem Ruin nach. Was dann entstand, hieß nicht mehr „Verbindungsbau“, sondern Domus Aurea (Goldenes Haus).
Viel Platz war dafür nötig, denn eine Villa sollte entstehen, wie es sie bis dahin nur an den Uferhängen des Golfs von Neapel gab, wo von weiten Terrassen der Blick über das Meer schweifte. Die hoch auf dem Caelius, einem der sieben Hügel Roms, gelegene Baustelle des Tempels für Neros Stiefvater Claudius eignete sich für hängende Gärten mit einer Brunnenfassade zum Tal hin, am gegenüberliegenden Hang des Colle Oppio entstand das Hauptgebäude. Die feuchte Senke dazwischen – in der später das Colosseum entstehen sollte – wurde zum See umgestaltet, an dessen Ufern Tiere weideten: Nero verwirklichte den aristokratischen Traum vom „Land in der Stadt“. 80 Hektar bedeckte die gesamte Anlage im Herzen der Metropole – Kritik blieb daher nicht aus: Ganz Rom nehme die Domus Aurea ein, die Römer könnten nur noch nach Veji – einem verlassenen Nest vor den Toren der großen Stadt – auswandern.
Der Historiker Tacitus schrieb später, die Wunder der Domus Aurea seien nicht so sehr die Ausschmückungen mit Edelsteinen und Gold – an solchen Luxus habe man sich bereits gewöhnt –, sondern die weiten Felder und Weinberge, die Wäldchen mit den vielen Tieren und der See. Kleine Wandbilder reproduzierten in einfachen Wohnhäusern die Prospekte solcher Landschaftsvillen und geben auch uns eine ausschnitthafte Vorstellung. Das so inszenierte Landleben vermittelte zugleich die Idee vom goldenen Zeitalter: Unter Nero bieten die Götter alles auf, nie zuvor sei die Natur so gesegnet gewesen. Im Vestibül des Palasts ragte daher 40 Meter hoch die vergoldete Statue des Sonnengottes auf.





