Danach haben diese Könige die Münzprägung revolutioniert, indem sie das Porträt des Monarchen zum gängigen Münzbild erhoben. „Als im 3. Jahrhundert vor Christus erstmals auch historische Frauen auf Münzen erschienen, inszenierten Könige sie als Garantin für das Wohl und den Fortbestand ihrer Dynastie“, erläutert Archäologin Dr. Katharina Martin vom Exzellenzcluster.
Münzbilder von Königinnen dienten zunächst im ptolemäischen Ägypten und im Seleukidenreich dazu, die Herrschaft des Königs zu legitimieren und zu festigen. „Politische Macht hatten diese Frauen nicht, aber Ansehen und Einfluss, und damit sorgten sie für Stabilität und Kontinuität der Dynastie.“ Im klassischen Griechenland spielten Frauen in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle, wie die Archäologin ausführt. „Öffentliche Sichtbarkeit auf Münzen erlangten einige erst im 3. Jahrhundert vor Christus. Das war ein bedeutender Schritt, denn Münzen fanden sich schon damals in fast jedem Geldbeutel und wurden zum zentralen Kommunikationsmittel – zum ältesten Massenmedium der Menschheit.“
Bei den weiblichen Personen auf den Geldstücken handelte es sich stets um Frauen aus einflussreichen Kreisen der Königshäuser. Dabei blieb das Bild der Königin im Motiv-Repertoire der Münzen immer eine Ausnahme, die Regel war das Porträt des männlichen Königs als staatlicher Repräsentant und Wertgarant des Geldes.
Göttinnen statt Ehefrauen
Ein frühes Beispiel für weibliche Präsenz auf Münzen ist Arsinoë II. (etwa 316-270 vor Christus), die Tochter des Dynastiegründers Ptolemaios I. in Ägypten, wie die Wissenschaftlerin ausführt. „Aus politischem Kalkül wurde sie wiederholt verheiratet, je nach politischer Interessenlage in verschiedene andere Dynastien; schließlich heiratete sie in Alexandria ihren eigenen Bruder. Hier wurde die außergewöhnlich prominente Frau zur ersten bedeutenden Frau im ptolemäischen Ägypten mit großem gesellschaftlichem Einfluss.“
Manche Herrscher bildeten ihre Gattinnen oder Mütter auf wertvollen Sonderprägungen aus Gold oder Silber ab, die sich gezielt an die politischen Eliten am Königshof richteten. Andere Dynastien nutzten nach den Erkenntnissen von Katharina Martin bewusst Bronzegeld, das weiter verbreitet war und in alle Schichten der Gesellschaft getragen wurde.
Zuweilen zeigen die Münzen auch Göttinnen, deren Ähnlichkeit mit historischen Königinnen nicht zufällig ist: Solche Angleichungen finden sich besonders beim Bronzegeld. „Diese religiösen Darstellungen dienten ebenfalls der Inszenierung von Macht und Einfluss des münzprägenden Herrschers“, so die Forscherin. „Auf einer Münze aus dem 1. Jahrhundert vor Christus etwa erinnert der Kopf der behelmten Göttin Athena mit ihrem langen Zopf an die Herausgeberin, die indo-griechische Königin Agathokleia. Kleopatra Thea steht als Schicksalsgöttin an der Seite ihres Gatten, des Seleukidenkönigs Alexander Balas: Auf diese Weise umgaben sich Könige mit einer göttlichen Aura und werteten sich selbst auf.“





