Von Bethlehem nach Jerusalem
“Das untere Aquädukt nach Jerusalem wurde vor mehr als 2000 Jahren gebaut, um die Stadt Jerusalem mit Wasser zu versorgen”, erklärt Grabungsleiter Yaakov Billig von der Antikenbehörde. “Diese Leitungen funktionierten – wenn auch mit Unterbrechungen – noch bis vor rund hundert Jahren.” Ursprünglich begann diese Wasserleitung an den Teichen Salomons nahe Bethlehem. Dort wurde Wasser aus mehreren Quellen gesammelt und dann über zwei Aquädukte nach Jerusalem und ein weiteres nach Herodium weitergeleitet.
Das untere Aquädukt war rund 21 Kilometer lang. “Trotz seiner Länge hat dieses Aquädukt aber nur eine sehr geringe Neigung”, berichtet Billig. Die Leitung senkt sich um rund einen Meter pro Kilometer Strecke. Dennoch reichte dies offenbar aus, um die Wasserversorgung zu gewährleisten. Ursprünglich bestand diese Leitung zudem nur aus einem offenen Kanal. Doch vor rund 500 Jahren, während der ottomanischen Periode, wurde ein Terrakottarohr in den Kanal eingesetzt, so dass das Wasser nun besser abgeschirmt war, wie Billig berichtet.
Wasser für Tempel und Pilger
Das Aquädukt war eine der wichtigsten Wasserquellen für die Stadt Jerusalem, ihren Tempel und die vielen Pilger, die diese heilige Stätte schon damals besuchten. Deshalb wurde es während seiner fast 2000 Jahre alten Geschichte immer wieder instandgehalten und erneuert. Erst vor 100 Jahren wurde das alte Aquädukt durch ein modernes Leitungssystem ersetzt.
Schon früher hatten Archäologen Teile dieses Aquädukts im Jerusalemer Stadtgebiet ausgegraben. Zugänglich sind beispielsweise die Tunnel von Armon Ha-Natziv, ein Teilstück auf der Sherover Promenade und am Sultans Pool auf der Westseite des Mount Zion. Das nun im Stadtviertel Umm Tuba neuentdeckte Teilstück wurde dagegen dokumentiert, dann aber wieder zugeschüttet, um es im Untergrund zu erhalten.





