Seit dem späten 19. Jahrhundert gab es die kostengünstigen Aufkleber als neue Form Inhalte schnell in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Sie wurden von Beginn an gesammelt und getauscht. Als Möglichkeit der politischen Agitation erfreute sich das neue Medium auch bei Antisemiten bald großer Beliebtheit. Auf Briefkästen, Schaufenstern und Liebesbriefen, in Telefonzellen und S-Bahnhöfen begegneten die Menschen den judenfeindlichen Bildern und Parolen. Doch jüdische Organisationen und Vereine wehrten sich bald gegen diese Hetze und bekämpften ebenfalls öffentlich die antisemitische Propaganda mit Stickern.
Auch heute noch tragen Aufkleber politische Anschauungen in die Öffentlichkeit: „Schöner leben ohne Schuldkult“, heißt es auf einem antisemitischen Aufkleber der Gegenwart. Die Leugnung des Holocaust, die Abwehr von Schuldanerkennung und Erinnerung sowie eine Täter-Opfer-Umkehr sind typische Formen des Antisemitismus nach Auschwitz.
Mehrere hundert Originalobjekte wie Klebezettel, Sammelalben, Beschwerdebriefe und historische Fotos bezeugen die antisemitische Propaganda und die Gegenwehr der Betroffenen. Sie sind in sieben Themenräumen – von „Judenfeindliche Aufkleber“ über „Bilder und Botschaften“ bis zu „Sticker und Stigma heute“ – historisch eingerahmt und leiten den Besucher durch die Ausstellung. Kurzfilme zeigen rechtsradikale Graffitis sowie Formen des modernen Widerstands.





