Der Meisterporträtist Graff wurde in Winterthur geboren, erhielt seine künstlerische Ausbildung in seiner Heimatstadt sowie in Augsburg und Ansbach und ließ sich 1766 in Dresden nieder. Graffs Schaffen überragt dasjenige von zeitgenössischen Porträtisten schon in seinem schieren Umfang und erst recht in der phänomenalen geistigen Prägnanz seiner Bildnisse, die den Menschen als intellektuelles und emotionales Wesen begreifen. Sein Werk überliefert die Gesichter der deutschen Gelehrtenrepublik der Aufklärung, deren bevorzugter Bildnismaler er war.
Das Gleimhaus in Halberstadt (Domplatz 31, 38820 Halberstadt, Tel.: 03941/6871-0) bewahrt mit der Sammlung des Halberstädter Dichters und Sammlers Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) die größte Porträtgalerie deutscher Dichter und Denker der Aufklärung, in der Graff mit einigen Hauptwerken vertreten ist. Die Ausstellung zeigt, dass sich Graffs Ruhm gerade mittels der druckgrafischen Reproduktionen mehrte. Darüber hinaus rückt sie das für die Porträtkultur des 18. Jahrhunderts eminent wichtige Phänomen der Kopie in den Blick und zeigt die Porträtdruckgrafik des späten 18. und des frühen 19. Jahrhunderts sowohl in der Breite des Schaffens als auch in den Leistungen der Meisterkupferstecher.
Dabei sind das Aufblühen des Grafikmarkts und die Entstehung eines Grafikpublikums im 18. Jahrhundert nachzuvollziehen, in denen die gleichzeitige Explosion des Buchmarktes und das entstehende Lesepublikum eine Entsprechung haben. Nach der Ausstellung „Von Mensch zu Mensch – Porträtkunst und Porträtkultur der Aufklärung“ im Jahr 2010 zeigt das Gleimhaus, das sich als Ort des Porträts und der Porträtforschung versteht, eine weitere Ausstellung zum Bildnis im 18. Jahrhundert. Die Ausstellung wird gezeigt in Kooperation mit dem Porträtantiquariat Harlinghausen, Osnabrück, und dem „Digitalen Portraitindex“ des Bildarchivs Foto Marburg (www.portraitindex.de). Auf den Seiten von „museum digital“ erscheint ein digitaler Katalog (http://graff.museum-digital.de).





