Fund nahe der keltischen Heuneburg
Entdeckt wurden die neuen Keltenfunde ganz in der Nähe der Heuneburg – einer der ältesten und bekanntesten frühkeltischen Höhensiedlungen in Mitteleuropa. Sie liegt auf einem rund 600 Meter hohen Bergsporn am Südabfall der Schwäbischen Alb und bot ihren Bewohner daher einen strategisch günstigen Blick über das Donautal. Auch im Umfeld Heuneburg haben Archäologen in den letzten Jahren Überreste keltischer Aktivitäten entdeckt, darunter ein Schachtgrab mit reichen Schmuckbeigaben.
Schon länger vermuteten die Forscher auch auf dem Bergsporn “Alte Burg” Zeugnisse keltischen Wirkens. Denn bereits Ende des 19. Jahrhunderts berichtete ein Hobbyarchäologe von einem Grabfund auf diesem Plateau. Im Rahmen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Ausgrabungen in dieser Region führten Archäologen des Regierungspräsidiums Stuttgart daher im letzten Sommer und Herbst gezielt Ausgrabungen auf diesem Bergsporn durch – mit durchschlagendem Erfolg.
Gigantische Befestigungsmauer
Wie die Archäologen berichten, stießen sie im Oktober 2014 überraschend auf eine gut erhaltene frühkeltische Mauer. Die aus Kalksteinen errichtete Trockenmauer ist bisher nur in Randbereich ausgegraben, die Mauerkrone ist noch verdeckt. Doch schon jetzt erreicht das Bauwerk eine Höhe von mehr als vier Metern. Die Forscher vermuten jedoch, dass das Mauerwerk an einigen Stellen sogar sechs bis sieben, vielleicht sogar acht Meter hoch sein könnte.
“Die Mauer ist so gut erhalten, dass wir hier schon von einem Baudenkmal sprechen können und zwar vom ältesten Baudenkmal Süddeutschlands”, erklärte Grabungsleiter Dirk Krausse vom Regierungspräsidium Stuttgart. Analysen von Tierknochen aus dem Mauerbereich sprechen für eine Errichtung der Mauer im 7. bis 5. Jahrhundert vor Christus.
Keltischer Kultplatz
Die Steinmauer begrenzt den gut zwei Hektar großen Bergsporn, der vor etwa 2.500 Jahren durch die frühkeltischen Erbauer vollkommen überformt und umgestaltet wurde. Auf dem gleichen Plateau hatten die Forscher zuvor bereits einen keltischen Opferschacht entdeckt. In viereinhalb Metern Tiefe fanden sich darin rund 50 menschliche Skelettreste sowie mehrere möglicherweise rituelle Funde aus Keramik und Bronze. Wie die Archäologen erklären, könnte dies darauf hindeuten, dass das gigantische Bauwerk bis ins 3. Jahrhundert vor Christus hinein einen Kultplatz der Kelten umgrenzte.
“Diese phantastischen Neuentdeckungen zeigen einmal mehr, welche bedeutenden archäologischen Schätze im Umfeld der Heuneburg noch im Boden liegen”, kommentierte Johannes Schmalzl, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Stuttgart, die Entdeckung. “Wir haben hier eine der wichtigsten archäologischen Fundstätten Mitteleuropas vor uns.”





