Der Naumburger Dom gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten der Romanik und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Seine Baugeschichte ist - vor allem durch Ausgrabungen in den 1960er Jahren – inzwischen gut dokumentiert. Die erste Bauphase des Doms wurde demnach um das Jahr 1044 als Kathedrale für den von Zeitz nach Naumburg verlegten Bischofsitz fertiggestellt. Eine Besonderheit dieses ersten Naumburger Doms war, dass er in der Vorburg der Markgrafen von Naumburg errichtet wurde. Ab 1210 wurde dieses Gebäude schrittweise durch den noch heute erhaltenen, wesentlich größeren Dombau ersetzt.
Seit Frühjahr 2026 führen Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt neue Ausgrabungen im Umfeld des Naumburger Doms durch. Im Rahmen der umfassenden Umgestaltung des Naumburger Domplatzes bietet sich hier die Gelegenheit, mehr über den bisher wenig erforschten Außenbereich des Doms zu erfahren.
13 Steinkistengräber zwischen Dom und Kapelle
Jetzt gibt es einen ersten bedeutenden Fund: Bei den Ausgrabungen südöstlich des Naumburger Doms entdeckten die Archäologen einen kleinen Friedhof aus dem Mittelalter. Die 13 Gräber dieser Anlage lagen damals zwischen dem Ostchor des Doms und der im 11. Jahrhundert errichteten Nikolaikapelle. Diese ist heute von der im 15. Jahrhundert errichteten Dreikönigskapelle überbaut. Aus welcher Zeit die neu entdeckten Gräber stammen, ist noch nicht eindeutig geklärt: „Da mittelalterliche Bestattungen generell kaum über Beigaben verfügen, kann eine Datierung der Gräber gegenwärtig nur durch den typischen Grabbau und die Störung des Friedhofs durch den spätromanischen Dombau erfolgen“, erklärt das Landesamt. Die Archäologen vermuten jedoch, dass der Friedhof aus dem 11. Jahrhundert stammt.

Gebeine mittelalterlicher Toter in ´Naumburg. Aufrechtstehende Steinplatten markieren Kopf- und Fußende der Gräber. — © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/ Michel Klehm.
Bei den Toten aus dem Mittelalter handelt es sich um Männer, Frauen und Jugendliche sowie ein einjähriges Kleinkind. Einige dieser Toten wurden in besonders sorgfältig gearbeiteten Steinkistengräbern bestattet, deren Seitenwände aus großen, teils mit Kalkmörtel verklebten Steinplatten bestanden. Als Deckel dienten Holzbretter, die die Toten vor der überdeckenden Erde schützen sollten. Bei zwei Gräbern waren die Steinplatten nicht vermörtelt, einige weitere Gräber hatten nur Steinplatten am Kopf und Fußende, ohne befestigte Seitenränder der Grabgruben, wie die Archäologen berichten.
Ruhte hier eine hochrangige Familie?
Nach Einschätzung der Archäologen sprechen die prominente Lage dieses Friedhofs und die Ausgestaltung der Gräber dafür, dass die hier Bestatteten einst eine hohe soziale Stellung bekleideten– sie müssen zur religiösen oder gesellschaftlichen Elite Naumburgs gehört haben. „Darauf verweist nicht nur der aufwändige Grabbau, sondern vor allem die Lage des Bestattungsplatzes zwischen zwei Sakralbauten und direkt vor dem Hauptzugang in den Dom“, erklärt das Landesamt. „Derartige Plätze wurden oft mit Gräbern der Kirchenstifter belegt.“ Die nicht überlappende Anordnung der 13 Gräber deutet zudem darauf hin, dass diese Ruhestätten an der Erdoberfläche gekennzeichnet waren – möglicherweise durch Kreuze oder Grabsteine.
Doch wer waren diese Toten? Da unter den Toten auch Frauen und Kinder waren, ist es eher unwahrscheinlich, dass hier Vertreter des Klerus bestattet wurden. Stattdessen könnte es sich bei den zwischen Dom und Nikolaikapelle bestatteten Toten um Angehörige einer – vielleicht erweiterten – Familie handeln. Näheres darüber sollen geplante DNA-Untersuchungen der Toten durch das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig verraten. In Vorbereitung darauf haben die Archäologen alle Gräber und Bestattungen genau dokumentiert, bevor sie die Gebeine geborgen haben. Die genauere Untersuchung der Skelette kann auch klären, aus welcher Zeit genau die Toten stammen.
Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte





