Die Etrusker bildeten während der Antike zwischen 800 und 200 vor Christus eine eigene Kultur im nördlichen Mittelitalien. Ihre Sprache, Gebräuche und Kunst unterschieden sich deutlich von denen ihrer römischen Nachbarn. Davon zeugen vor allem die etruskischen Nekropolen, deren Gräber und Grabbeigaben fast die einzigen Zeugnisse dieser Kultur sind. Eine der bekanntesten und größten Nekropolen der Etrusker liegt nahe der Stadt Tarquinia, rund 70 Kilometer nordwestlich von Rom in der italienischen Region Latium. Dort, in der Nekropole von Monterozzi, wurden bisher schon rund 6100 Gräber identifiziert, die meisten davon in Form von in den Fels gehauenen Grabkammern.

Wandeinsturz enthüllt zuvor unbekanntes Grab
Jetzt haben Archäologen von der regionalen Archäologiebehörde der Provinz Viterbo in der Nekropole von Monterozzi einen seltenen Fund gemacht – durch Zufall. Sie untersuchten einige durch Einstürze freigelegte Hohlräume im Untergrund, als sie Überraschendes entdeckten: Die eingestürzte Wand eines älteren, bereits von Grabräubern geplünderten Grabes enthüllte den Zugang zu einer weiteren Grabkammer. Dieses Grab aus dem 5. Jahrhundert vor Christus war ursprünglich von einer massiven Steinplatte verschlossen und unterhalb des darüberliegenden älteren Grabes angelegt worden. Die Kammer war größtenteils mit Erde und Trümmern aus dem oberen Grab gefüllt. Nur wenige Fragmente attischer Keramik mit roten Figuren zeugen vom Wert der verschwundenen Grabbeigaben.
Das Spannende jedoch: Die Wände der unteren Grabkammer – Grab Nr. 6438 genannt – tragen farbenprächtige Wandmalereien. “Seit Jahrzehnten ist dies das erste neue Grab mit figürlichen Wandmalereien, das in Tarquinia entdeckt wurde”, sagt Daniele Maras, Direktor des Nationalen Archäologischen Museums in Florenz. “Der Fund ist sowohl wegen seiner Geschichte als auch wegen des künstlerischen Niveaus und einiger der dargestellten Szenen spannend, die in ihrer Art einzigartig sind.” An der linken Wand ist der dynamische Tanz mehrerer Männer und Frauen abgebildet, die einen Flötenspieler umringen. Die Rückwand der Grabkammer ist mit den in Rottönen gemalten Figuren einer Frau – möglicherweise der Verstorbenen – und zwei Jünglingen geschmückt.
Außergewöhnliche Kunstfertigkeit
“Das außergewöhnliche Niveau der Malereien ist bereits nach den ersten Restaurierungsarbeiten offensichtlich. Sie zeigen die Raffinesse der Details bei den Figuren des Flötenspielers und eines der Tänzer”, sagt Margherita Eichberg von der Archäologiebehörde. Ebenfalls als außergewöhnlich stufen die Archäologen die Abbildungen an der rechten, noch größtenteils von Erde und Kalkbrocken verdeckten Wand der Grabkammer ein: Sie zeigen offenbar eine Arbeitsszene aus einer Metallwerkstatt. Ob die Darstellung die mythische Arbeitsstätte des Gottes Sethlans – dem Schmiedegott der Etrusker – zeigt oder die reale Werkstatt, die der Familie des Grabbesitzers gehörte, ist noch unklar. Die Archäologen halten Letzteres aber für wahrscheinlicher.





