Im Vorfeld eines Straßenbaus haben Archäologen in der französischen Region Bourgogne-Franche-Comté Ausgrabungen in der Nähe der Stadt Auxerre am rechten Ufer des Flusses Yonne durchgeführt. Diese Stadt ist dafür bekannt, dass sie schon in der römischen Antike existierte, damals unter dem Namen Autessiodurum. Die Römerstraße Via Aggrippa reichte bis an die Stadt heran, die in der römischen Kaiserzeit zur Provinz Gallia Lugdunensis gehörte.
Römische Villa mit 4000 Quadratmetern Grundfläche
Bei früheren Arbeiten im Jahr 1966 waren in diesem Areal nahe des Ortes Sainte-Nitasse, rund drei Kilometer von Auxerre entfernt, bereits Reste eines römischen Hauses gefunden worden. Dieses umfasste etwa ein Dutzend Räume mit zusammen mehr als 700 Quadratmeter. Das Gebäude wurde wahrscheinlich vom ersten bis zum vierten Jahrhundert von wohlhabenden Menschen bewohnt, wie das Mobiliar, dekorative Mosaike und Überreste einer antiken Fußbodenheizung belegen. Auch die Konstruktion der Wände, Überreste von Säulen und einer Apsis in einem der Räume deuten auf ein Wohnhaus reicher Leute hin, vielleicht sogar von Adel.
Daher bestand der Verdacht, dass im Gebiet der geplanten Straßentrasse weitere römische Relikte im Untergrund verborgen liegen könnten. Ein Team des französischen Nationalinstitut für präventive archäologische Forschung (INRAP) hat daher weitere Ausgrabungen durchgeführt – und dabei auf dem Gelände weitere Gebäude aus der Römerzeit entdeckt und ausgegraben. Diese gehören zu einer imposanten antiken Villa von insgesamt 4000 Quadratmetern Grundfläche. Das 1966 ausgegrabene Gebäude entpuppte sich dabei als bloßer Nebenflügel dieser großen Behausung, wie das Team berichtet.

Wohnkomplex mit Bädern und Gärten
Die neuentdeckte Villa ist im Westen, Norden und Osten von einer Mauer umgeben; in der Mitte der Anlage liegt ein 450 Quadratmeter großer Garten. Am Nordende des Gartens befindet sich ein viereckiger Teich und im Süden ein kleiner Brunnen – typisch für die anspruchsvolle Architektur der gallischen Villen, wie das Team erklärt. Rund um das Haus fanden die Archäologen zudem angebaute Bäder und Galerien, die als Empfangsräume, technische Bereiche und vielleicht eine Küche dienten. Diese beachtliche Bebauung des Wohnteils (Pars Urbana) samt privater Therme gilt als typisch für die großen Villen im römischen Gallien. Die nun entdeckte Pars Urbana sei jedoch sogar eine der größten bisher gefundenen, betonen die Archäologen.






