In der Jungsteinzeit zwischen 3400 und 3000 vor Christus war im Bereich der Mittelelbe und Saale eine Untergruppe der Trichterbecherkultur verbreitet – die Salzmünder Kultur. Sie ist benannt nach dem Fundplatz einer befestigten Höhensiedlung, die bereits im Jahr 1921 in Salzmünde, rund sieben Kilometer westlich von Halle an der Saale entdeckt wurde. Besonders auffallend an der Salzmünder Kultur sind ihre Gräber und Bestattungsriten. Denn die Menschen beerdigten ihre Toten nicht nur in gehockter Seitenlage in Gräberfeldern, sondern scheinen auch spezielle Rituale und Opferungen durchgeführt zu haben. Die in diesem Rahmen bestatteten Toten finden sich in runden Gruben, die mit einer dicken Schicht Keramikscherben und Steinen ausgekleidet waren – und die oft in Resten verbrannter Häuser liegen. Häufig zeigen die Toten Anzeichen von Gewalteinwirkung, wurden umgebettet oder nach ihrem Tod zerlegt.

Hundeskelett, Totenschädel und Häuserreste
Jetzt sind Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt auf eine ganze Ansammlung solcher Bestattungsgruben gestoßen. Entdeckt haben sie diese im Rahmen von Ausgrabungen im Vorfeld des Baus der SuedOstLink-Stromtrasse. An verschiedenen Stellen des Trassenverlaufs haben diese vorbereitenden Untersuchungen schon mehrere spannende Funde zutage gefördert, da die Region zwischen der südlichen Landesgrenze Sachsen-Anhalts und Wolmirstedt im Landkreis Börde seit Jahrtausenden besiedelt ist. Bei Gerstewitz im Burgenlandkreis hat das Team nun innerhalb eines durch Gräben geschützten Areals zwölf Grabgruben freigelegt, die Reste abgebrannter Häuser und Opfergaben enthielten. Die Gruben sind rund zwei bis drei Meter breit und zwei bis 2,50 Meter tief.
Eine der Gruben enthielt zwei komplette Keramikgefäße, bei denen es sich nach Lage und Erhaltung wohl um Opfergaben handelte, wie das Landesamt mitteilt. In einer weiteren Grube fanden die Archäologen ein verwittertes Hundeskelett, das noch im intakten anatomischen Verband erhalten war, obwohl die Knochen Spuren von Feuer aufweisen. Direkt neben diesen Hundeknochen lag ein menschlicher Schädel, der überraschenderweise keine Spuren von Verwitterung zeigte. Nach Angaben der Archäologen deutet dies darauf hin, dass diese Opfergruben wahrscheinlich länger offen blieben – möglicherweise im Rahmen länger andauernder oder wiederholter Ritualhandlungen. Denkbar wäre aber auch, dass die Hundeknochen vor ihrer Bestattung in der Grube zunächst anderswo gelagert wurden.





