Bei den Azteken und auch den etwa zeitgleich im Tal von Oaxaca angesiedelten Zapoteken war es die Regel, dass die Königspaläste für die Herrscher Wohn- und Arbeitsstätte zugleich waren. Meist umfassten diese Bauten umfangreiche Repräsentations- und Versammlungshallen, in denen die Regierungsgeschäfte erledigt wurden. Ein streng davon abgegrenzter Palastteil kennzeichnete dagegen den privaten Bereich des Herrschers.
Ein Zapoteken-Palast in El Palenque
Wann jedoch die mittelamerikanischen Kulturen erstmals begannen, solche komplexen, multifunktionellen Paläste zu errichten, war bisher unklar. Jetzt jedoch liefern Ausgrabungen in El Palenque im Tal von Oaxaca hierzu wertvolle neue Aufschlüsse. Elsa Redmond und Charles Spencer vom American Museum of Natural History in New York haben nördlich eines alten Platzes und eines Tempelbezirks die Überreste eines großen Herrscherpalasts entdeckt.
Die Palastanlage erstreckt sich über rund 2.790 Quadratmeter und liegt auf zwei Ebenen. Datierungen ergaben, dass die Gebäude zwischen 300 und 100 vor Christus errichtet worden sind und damit aus der Frühphase der Zapotekenkultur stammen.
Öffentlicher und privater Teil
Der untere Teil des Palasts von El Palenque liegt rund vier Meter über der Ebene der Plaza und stellte den öffentlichen Bereich der Anlage dar. “Dominiert wurde dieser Sektor von einem großen säulenumstandenen Hof im Eingangsbereich, in dem Feuer in Kohlebecken brannten”, berichten Redmond und Spencer. Von der 16 Mal 16 Meter großen Säulenhalle gingen weitere Räume ab, außerdem führte ein Durchgang zu einem Thronsaal.
“Im Thronsaal gab es rund um eine Feuerstelle mehrere Bänke für Offizielle und Besucher”, berichten die Archäologen. “Hier könnte der Herrscher auch Opferrituale durchgeführt und Feste gegeben haben.” Denn in einem Nebenraum des Thronsaals entdecken die Forscher eine Vielzahl von Tierknochen, darunter von Hirschen, Pekaris, Truthähnen und Tauben, aber auch einige menschliche Schädel.
Von dem für Regierungsaufgaben genutzten Bereich führte eine Treppe zu dem zehn Meter über dem Platzniveau liegenden privaten Teil des Herrscherpalastes. “Die prachtvolle Residenz stand damit am höchsten und überblickte die Plaza”, berichten Redmond und Spencer. Die Residenz des Herrschers bestand aus acht Räumen, die um einen Innenhof gruppiert waren. Reste von Kalk-Ornamenten zeigen, dass die Wände dieser Räume einst mit Stuck verziert waren.
Indiz für frühes Staatswesen
“Wir sind der Ansicht, dass der gesamte Palastkomplex von El Palenque in einem großen Bauvorhaben auf Basis eines vorher durchgeplanten Designs errichtet wurde”, konstatieren die Archäologen. Im Gegensatz zu anderen Palästen, die im Laufe der Zeit immer wieder vergrößert wurden, spreche die Anlage in El Palenque gegen nachträgliche Um- oder Anbauten und für eine einheitliche Konzeption du Durchführung. Davon zeugen unter anderem die Maurerarbeiten der Wände, aber auch das komplexe, den gesamten Palst durchziehende Wassersystem. Zisternen, Leitungen und Rinnen verteilten Regenwasser von einem Palastteil in den anderen und sorgen für steigen Wassernachschub, wie die Archäologen berichten.





