Dem Mittelalter war jedoch eine solche Auffassung fremd. In dieser Epoche wurde keine strenge Trennung zwischen diesen beiden Disziplinen vorgenommen. Nach dem Wissenschaftsverständnis der damaligen Zeit hatte die Astronomie den Stellenwert einer Hilfswissenschaft der Astrologie: Sie ermittelte auf mathematischem Weg die Gestirnspositionen, die dann eine astrologische Deutung erfuhren.
Im Mittelalter, aber auch noch in der frühen Neuzeit sahen die Auftraggeber von Horoskopen in der Astrologie oftmals eine Art naturwissenschaftliche Methode der Politikberatung. Insbesondere im 15. und 16. Jahrhundert war es eine regelrechte Mode, dass sich weltliche Herrscher, aber auch Päpste und Kardinäle astrologisch beraten ließen und eigene Hof- oder Hausastrologen beschäftigten. Viele Naturwissenschaftler der damaligen Zeit betätigten sich daher auch als Astrologen. Noch im 17. Jahrhundert verfasste der große Mathematiker und Astronom Johannes Kepler Horoskope, darunter auch für den im Dreißigjährigen Krieg wirkenden Feldherrn Wallenstein.
Eine besondere Leidenschaft für Himmelsphänomene und Geheimwissenschaften besaß Kaiser Friedrich III., der von 1452 bis 1493 regierte. An seinem Hof in Wiener Neustadt beschäftigte der Habsburger eine Reihe von Astronomen und Astrologen, darunter auch den bedeutenden Naturwissenschaftler Georg von Peuerbach. Die Sterndeuter sollten für den Kaiser astrologische Prognosen in Form von Horoskopen erstellen.
Überdies ließ Friedrich Apparaturen anfertigen, die zur Bestimmung des Sonnen- oder Planetenstands eingesetzt werden konnten. Zwei dieser Auftragswerke sind erhalten: Das Kunsthistorische Museum in Wien beherbergt einen wertvollen Quadranten aus Elfenbein, ein astronomisches Instrument, mit dem die Höhenwinkel und Positionen von Himmelskörpern ermittelt werden können. Im Germani‧schen Nationalmuseum in Nürnberg befindet sich ein von Peuerbach konstruiertes Astrolabium, ein scheibenförmiges Instrument zur Darstellung des von der Erde aus sichtbaren, sich scheinbar drehenden Himmels.
Ausführlich wird auch über die Begeisterung des Kaisers für die Astrologie in der „Historia Friderici et Maximiliani“ berichtet, der Geschichte Friedrichs und seines Sohnes Maximilian. Dieses Werk verfasste der aus dem bayerischen Burghausen stammende Joseph Grünpeck um etwa 1514/15. Laut Grünpeck soll Friedrich im Geheimen mathematische Studien betrieben und astro‧logische Voraussagen getätigt haben, die angeblich zu einem späteren Zeitpunkt eingetreten seien. Ebenso sei er in Physiognomie und Chiromantie bewandert gewesen: Er habe aus den Gesichtszügen und den Handlinien von Personen an seinem Hof gelesen und daraus Prognosen erstellt. Das Werk Grünpecks illustrierte der berühmte Maler Albrecht Altdorfer mit einigen Federzeichnungen. Hierzu gehört auch die Abbildung unten. Hier erklärt der Kaiser ein Sternbild, auf den Himmelsglobus sowie auf den Himmel weisend.





