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Auf den Spuren des KZ-Außenlagers Walbeck-Weferlingen
Geschichte & Archäologie

Auf den Spuren des KZ-Außenlagers Walbeck-Weferlingen

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs existierte nahe Helmstedt ein Außenlager des KZ Buchenwald. In diesem mussten Häftlinge unter schlimmsten Bedingungen unterirdische Hallen für Rüstungsfabriken bauen. Jetzt haben Archäologen erstmals eine Forschungsgrabung durchgeführt, um die Relikte dieses KZ-Außenlagers Walbeck-Weferlingen zu untersuchen und zu dokumentieren. Dabei fanden sie Reste der Baracken, aber auch persönliche Habseligkeiten der Häftlinge.
Autor
Nadja Podbregar
13. Januar 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs ist für unserer Geschichte von enormer Bedeutung – nicht zuletzt wegen der Lehren, die wir heute daraus ziehen können. Doch inzwischen leben nur noch wenige Zeitzeugen aus dem Dritten Reich. Umso wichtiger sind archäologische Forschungen, die die physischen Relikte der Nazizeit und ihrer Opfer dokumentieren und erhalten. Dazu gehören insbesondere die Überreste der zahlreichen Konzentrations- und Arbeitslager, die während des Zweiten Weltkriegs auf dem Gebiet des Deutschen Reichs errichtet wurden.

Latrinenreste
Überreste einer ehemaligen Latrine des KZ-Außenlagers. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/ Lukas Augustat

Zwangsarbeit für eine unterirdische Rüstungsfabrik

Eines dieser Lager lag in der Nähe der Stadt Weferlingen bei Helmstedt. Ab August 1944 wurde im dortigen Ortsteil Walbeck nahe eines ehemaligen Kalischachtes unter dem Decknamen “Gazelle” ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald eingerichtet. Rund 500 männliche Häftlinge mussten dort unter Tage und unter schlimmsten Bedingungen Produktionshallen für die deutsche Rüstungsindustrie ausbauen. Ziel war es, in einer Tiefe von 350 bis 780 Meter unter der Erde Fertigungshallen von mehr als 70.000 Quadratmeter Fläche zu schaffen. Dies sollte die Rüstungsproduktion unter anderem der Niedersächsischen Motorenwerke (NIEMO) vor den Luftangriffen der Alliierten schützen.

Für die schweren Arbeiten wurden Häftlinge aus dem KZ Buchenwald in das Außenlager Walbeck-Weferlingen gebracht. Sie waren anfangs in Zelten untergebracht, später in Baracken oder in der unterirdischen Baustelle selbst. Die Zwangsarbeiter mussten dort auf Strohsäcken in den kalten, dunklen Stollen des Bergwerks schlafen. Hunger, die klamme Kälte und die schwere körperliche Arbeit schwächten die Häftlinge so schnell, dass viele krank wurden und wöchentlich neue Arbeiter aus Buchenwald zum Außenlager gebracht werden mussten. Anfang 1945 waren die unterirdischen Anlagen dennoch so weit fertiggestellt, dass dort Teile für Flugzeuge und U-Boote produziert wurden. Am 12. April 1945 erreichten US-amerikanische Truppen das Außenlager Walbeck-Weferlingen und befreiten die überlebenden Häftlinge.

Reste von Baracken, Zäunen und persönliche Gegenstände

“Das Lager Walbeck-Weferlingen kann als exemplarisch für mehrere im Umfeld der Rüstungsverlagerungen errichtete Lager in Sachsen-Anhalt betrachtet werden”, erklärt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Bisher gab es aber nochur keine gezielten Forschungsgrabungen in solchen Lagern und auch die schriftlichen Quellen geben nur begrenzten Einblick in das Leben der Häftlinge und die Verhältnisse in diesen Arbeitslagern. Weil die Überreste des Lagers Walbeck-Weferlingen zudem zunehmend durch Raubgrabungen gefährdet waren, haben Archäologen des Landesamts gemeinsam mit dem Verein für Walbecker Geschichte und Heimatpflege im Oktober 2025 erstmals eine Forschungsgrabung im Lagerbereich durchgeführt.

Während der zweiwöchigen Ausgrabungskampagne standen die Standorte der ehemaligen Lagerbaracken sowie der an das Lager angrenzende Kali-Tagebau im Mittelpunkt der Untersuchungen. Den Archäologen gelang es, zahlreiche Überreste des Lagers freizulegen und zu dokumentieren, darunter Fundamente der Baracken, Teile eines ehemaligen Latrinenbaus und Reste von Sperrzäunen. Mithilfe von Metalldetektoren konnte das Team zudem einige persönliche Habseligkeiten der einstigen Häftlinge bergen, die diese bei der Befreiung oder bei ihrem Abtransport zurück nach Buchenwald in den Baracken zurückgelassen hatten. Solche Funde und Objekte seien wichtige archäologische Zeugnisse für die Verbrechen des Nationalsozialismus, aber auch das Gedenken an die Opfer, wie das Landesamt erklärt.

Die Ergebnisse ergänzen die Gedenk- und Forschungsarbeit des Vereins für Walbecker Geschichte und Heimatpflege zum Außenlager Walbeck-Weferlingen und weiteren Orten der Zwangsarbeit im Umfeld von Walbeck. Längerfristig ist geplant, die Resultate der Forschungsgrabung und die Funde vor Ort zu präsentieren.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

BuchenwaldKZ-AußenlagerNationalsozialismusWalbeckZwangsarbeit
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