Hauptthema der Reise war die Geschichte und Besiedlung der Region gewesen, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis 1918 zu Österreich-Ungarn gehört hat. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs fielen die südlichen Regionen Ungarns dann an Rumänien und das neu entstandene Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das spätere Jugoslawien. So bunt die Geschichte, so bunt präsentiert sich auch das Völkergemisch in dieser Region. Doch sichtbar sind auch die Narben, die Krieg und Vertreibung bis in unsere Zeit geschlagen haben. Der Fokus auf die Vertreibung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung verstellt dabei zum Teil den Blick darauf, dass noch durch den letzten Jugoslawienkrieg viele Menschen ihre Heimat verloren haben. Im kroatischen Osijek sind bis heute an manchen Gebäuden Einschüsse zu sehen, die von diesen dramatischen Ereignissen zeugen.
Mirt Blick auf die eigenen Minderheiten etwa in der Slowakei prägt Ungarn heute einen vorbildlichen Umgang mit den verbliebenen rund 200.000 Deutschen im Land. In ihrem Siedlungsgebiet sind die Ortsschilder zweisprachig; vorbei die Zeit, in der man seinen Namen “magyarisieren” musste, wollte man etwa beruflich Erfolg haben. Doch auch in Serbien und Kroatien bekennen sich immer mehr Menschen zu ihren donauschwäbischen Wurzeln. Wie die Zukunft aussehen könnte, zeigte unser Stadtführer in Osijek: Aus einer donauschwäbischen Familie stammend, sah er sich doch zuerst als Bürger des modernen Kroatien. Klar waren seine Sympathien auch im Fußball verteilt: Wenn Kroatien spielt, schlägt sein Herz ganz klar für diem Mannschaft seines Landes. Und wenn Kroatien ausgeschieden oder nicht beteiligt ist. kommt Deutschland an die Reihe. Was bei der jüngsten Europameisterschaft zu einer Autofahrt mit deutscher Fahne durch seine Heimatstadt Vukovar geführt hat. Die Menschen hätten daraufhin zwar etwas verwundert geblickt, Ablehnung aber wurde ihm deshalb nirgends entgegen gebracht. Vielleicht sind es solche kleine Geschichten, die optimistisch stimmen für das friedliche Zusammenleben der Völker in dieser Region.





