Im Jahr 1936 kam es in Spanien zu einem Putsch, bei dem Militärs und nationalistisch ausgerichtete Gruppen unter General Francisco Franco die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen versuchten. In den folgenden Jahren brach ein Bürgerkrieg aus, in dessen Verlauf hunderttausende Menschen zu Tode kamen. Neben den kriegerischen Auseinandersetzungen führten vor allem die Nationalisten unter Franco aber auch gezielte Massentötungen von Anhängern der Republikaner durch. Die teilweise zuvor in Lagern gefangen gehaltenen Opfer wurden häufig in Massengräbern verscharrt, ohne dass ihre Angehörigen erfuhren, was aus ihnen geworden war und wo die Überreste lagen.
Suche nach den Opfern und ihren Familien
Schon seit mehr als 20 Jahren arbeiten verschiedene Wissenschaftlerteams im Rahmen des Projekts “Mapas de Memoria” – Karten der Erinnerung – daran, die Gräber der damals Ermordeten aufzuspüren, die Toten zu bergen und ihre Identität zu klären. Im ersten Schritt suchen die Forschenden dafür in historischen Aufzeichnungen und Archivmaterial nach Hinweisen auf Hinrichtungen und Gräber aus der Zeit des Franco-Regimes. Parallel dazu versuchen weitere Teams, auf Basis von Zeitzeugenberichten, aktuellen Berichten und auch sozialen Medien, die Angehörigen von Opfern dieser Ereignisse ausfindig zu machen.
“Während die Archäologen nach den menschlichen Überresten suchen, versuchen die sozialen Anthropologen, die Familien, ihre Geschichte und Geschichten aufzuspüren”, erklärt Jorge Moreno, Leiter des Projekts Mapas de Memoria. Zurzeit konzentrieren sich die Forschenden dabei auf Massengräber in der Provinz Ciudad Real, ein rund 200 Kilometer südlich von Madrid um die gleichnamige Stadt liegendes Gebiet. Hier wurden in den letzten zehn Jahren bereits 53 Massengräber mit Opfern des Franco-Regimes lokalisiert und 3457 Tote identifiziert.
Bergung der Toten von Almagro
Zurzeit läuft die Ausgrabung eines Massengrabs in Almagro, in dem Ermordete aus der Zeit von 1939 bis 1940 bestattet worden waren. Das Areal bildet heute einen Teil des örtlichen Friedhofs, was die Identifizierung der Bürgerkriegsopfer erschwert. “Diese Ausgrabung ist besonders kompliziert, weil es in diesem Areal auch nach dem Krieg noch viele normale Begräbnisse gab”, erklärt der forensische Anthropologe Nicholas Márquez-Grant. “Wir müssen die Toten daher vorsichtig Schicht für Schicht freilegen und bergen, um ihre Würde nicht zu verletzen.” Bisher haben die Forschenden elf Gräber von Bürgerkriegsopfern identifiziert, in denen teilweise mehrere Tote liegen.






