Die suggestive Darstellung gewinnt ihren Reiz nicht zuletzt aus der unbefangenen Freude des Verfassers an klaren, eindeutigen Positionen und zugespitzten Thesen. Diese verraten allerdings mitunter mehr über die Sympathien des Autors als über die historische Wirklichkeit. Das Bild etwa, das er von den Humanisten (sympathisch) entwirft, stammt ebenso aus dem 19. Jahrhundert wie dasjenige, das er sich und den Lesern von den frühneuzeitlichen Päpsten (unsympathisch) zeichnet. Doch auf der anderen Seite stehen glänzende Passagen, wahre Kabinettstücke an zugleich verdichteter und dennoch transparenter Geschichtsschilderung, etwa das exzellente Kapitel „Venedig und der adriatische Raum“. Hier gelingt David Gilmour auf gerade einmal 20 Seiten eine Zusammenfassung der Geschichte Venedigs von höchster Konzentration.
Auch die rabenschwarzen Ausführungen zur Geschichte des Risorgimento und der italienischen Einigung im 19. Jahrhundert mit ihren bis heute nicht bewältigten Folgen überzeugen vollkommen. Italiens unrühmliche Rolle im Ersten Weltkrieg, die dunklen Jahre des Faschismus, der abgründige Gegensatz zwischen wirtschaftlichem Aufschwung und politischer Korruption in der Nachkriegszeit, die Rolle der Mafia und das „Phänomen Berlusconi“ – kurz: die historische bedingte Unvollständigkeit des italienischen Staatsbildungsprozesses – schildert und deutet der Autor dann auf ebenso kenntnisreiche wie anregende Weise. Wer wissen möchte, warum der Euro scheitern wird, der lese dieses Buch!
Rezension: Prof. Dr. Arne Karsten





