Die meisten deutschen Nordamerika-Auswanderer kamen aus Südwestdeutschland. Besonders die historische Landschaft der Pfalz, die neben dem heutigen Rheinland-Pfalz auch Teile Rheinhessens, des Hunsrücks und die Gebiete um Heidelberg und Mannheim umfasste, hatte traditionell über Jahre hinweg eine enorme Auswanderungsquote in die Neue Welt. Dieser Sachverhalt kommt nicht von ungefähr. In der Folge des Dreißigjährigen Krieges war die Pfalz, wie die meisten deutschen Länder, zerstört und um einen Großteil ihrer Bevölkerung gebracht. Die landwirtschaftliche Infrastruktur lag wegen der Kriegsschäden lange Zeit brach und konnte die verbliebenen Menschen kaum ernähren. Während andere deutsche Fürstentümer sich allmählich von dem Krieg erholen konnten, war die Pfalz wegen andauernder kriegerischer Verwicklungen weiterhin beeinträchtigt. Vier Jahrzehnte nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges besetzten französische Truppen während des pfälzischen Erbfolgekrieges (1688–1697) die Pfalz und verheerten erneut das Land, wodurch jeder Wiederaufbau zunichte gemacht wurde.
Schon 1677 setzte daher die Einwanderung nach Nordamerika von Mannheim aus ein und mündete in der Gründung der Siedlung New Paltz im Bundesstaat New York. Die Massenauswanderung begann im Jahr 1709, als die Pfalz durch Kontributionszahlungen im Spanischen Erbfolgekrieg wiederum in ihrer wirtschaftlichen Lage stark beeinträchtigt wurde. Viele Pfälzer folgten zu dieser Zeit der Werbung der englischen Königin Anna, die ihre Ländereien in Nordamerika rasch erschließen wollte. Der größte Teil der Auswanderer siedelte sich schließlich in Pennsylvania an. Die Massenauswanderung aus der Pfalz in die U.S.A. dauerte bis zur Gründung des deutschen Reiches an und hatte ihre Hochzeiten in der Frühindustrialisierung während der Zeit des deutschen Pauperismus.
Anlässlich des 300jährigen Jubiläums der ersten großen Massenauswanderung widmet sich nun das Bundesland Rheinland-Pfalz der Geschichte der transatlantischen Wanderung. Die Ausstellung, die zuerst im Theodor-Zink-Museum in Kaiserslautern gezeigt wurde und ab dem 24. August bis zum 11. Oktober im Museum Alzey zu sehen sein wird, möchte die unterschiedlichsten Motive deutlich machen, die Menschen zu dem gravierenden Schritt der Auswanderung bewogen. Dabei spielt nicht nur die Situation in der Pfalz eine Rolle, die in ihren historischen Zusammenhängen umfassend dargestellt wird, sondern auch die Bilder und Verheißungen des neuen Lebens in Amerika. Vor allem anhand persönlicher Auswanderungsgeschichten werden die Umstände und Hintergründe der Migrationbewegung veranschaulicht.
Die Schau spannt dabei den Bogen von der Versorgungsnot in den Anfängen über die politisch motivierte Auswanderung im 19. Jahrhundert bis hin zur Vertreibung durch den Nationalsozialismus. Anschaulich werden die Berichte durch vielerlei Originaldokumente und Illustrationen, die beispielsweise die behördlichen Auswanderungsformalitäten oder die beschwerlichen Reisebedingungen vor Augen führen. Auch der Prägung der amerikanischen Kultur durch deutsche Einwanderer trägt die Schau umfangreich Rechnung. Es wird die kulturelle Entwicklung der deutschen Einwanderer zwischen heimischer Traditionspflege und der allmählichen Übernahme der amerikanischen Kultur gezeigt. In diesem Zusammenhang wird mit vielerlei Alltagsgegenständen auf die Lebensweise und Identität der deutschen Einwanderer eingegangen.





