Das Francke-Portal ermöglicht nun Wissenschaftlern, aber auch jedem Interessierten, den leichten Zugriff auf dieses Quellenmaterial mit Einblicken in die Persönlichkeit Franckes und in die Entwicklung des Halleschen Pietismus. Die Quellen spiegeln dabei den Tages- und Arbeitsablauf des Stiftungsgründers wider und zeigen den Aufbau der Organisations- und Verwaltungsstrukturen der Franckeschen Stiftungen. Vor allem aber geben sie Einblicke in das weltweite Netzwerk des Halleschen Pietismus – in die Beziehungen Franckes zu hochrangigen Vertretern von Politik und Wissenschaft seiner Zeit.
August Hermann Francke wurde 1663 als Sohn eines Juristen in Lübeck geboren, verbrachte aber seine Jugend in Thüringen. Er studierte Theologie in Erfurt, Kiel und Leipzig, wo er sich schließlich der pietistischen Reformbewegung anschloss. Später lehrte er an der neu gegründeten Universität im brandenburgischen Halle und wurde schließlich 1691 auf eine Pfarrstelle in der Vorstadt Glauchau berufen. Hier begann Francke sein Lebenswerk, das vom Pietismus geprägt war und sich durch eine Hinwendung zum einzelnen Menschen auszeichnete.
Vier Taler Startkapital
Francke berichtet, dass im Frühjahr 1695 jemand „vier Thaler und sechzehn Groschen” in die Armenbüchse der Pfarrwohnung gelegt habe und „als ich dieses in die Hände nahm, sagte ich mit Glaubens-Freudigkeit: Das ist ein ehrlich Capital, davon muss man etwas rechtes stiften; ich will eine Armen-Schule damit anfangen.” Dabei sollte es nicht bleiben: Am Ende erreichte sein Werk enorme Dimensionen. Innerhalb von 30 Jahren baute Francke vor den Toren Halles eine eigene kleine Schulstadt auf, die schließlich auch ein Waisenhaus umfasste und immer größere Dimensionen annahm. Kindern und Jugendliche sollte hier breite Bildung und Erziehung zur Selbstverantwortung nach christlichen Maßstäben vermittelt werden. Die von Francke geschaffenen Einrichtungen avancierten schließlich zum Zentrum des Halleschen Pietismus. Mittels eines von Francke sorgfältig gepflegten Netzwerks erlangten seine Reformideen nahezu weltweite Verbreitung.
Seine schulischen Konzepte prägen bis heute das Schulwesen in Deutschland. Auch die Franckeschen Stiftungen sind ein renommierter Bildungsstandort geblieben. Mittlerweile haben sich über 50 verschiedene Einrichtungen auf dem Stiftungsgelände etabliert, darunter vier Schulen, Institute der Martin-Luther-Universität, die Kulturstiftung des Bundes und das Deutsche Jugendinstitut. Die historischen Gebäude stehen momentan auf der deutschen Vorschlagsliste für das UNESCO Weltkulturerbe.





