Als Plotius Gallus im Jahr 93 v. Chr. eine öffentliche Rhetorikschule in Rom gründete, schloss er eine „Marktlücke“. Für eine politische Karriere war es ein Muss, bei öffentlichen Auftritten, etwa vor Gericht, zu überzeugen. Senatoren-Sprösslinge studierten daher über viele Jahre bei griechischen Privatlehrern, die in ihrer Muttersprache unterrichteten und auch intensiv Philosophie-Kenntnisse vermittelten: Ein guter Redner benötigte eine umfassende Bildung. Gallus strich die Philosophie aus seinem Lehrplan. Auf Lateinisch und mit praxisnaheren Beispielen, beschränkte er sich auf die rhetorischen Techniken. Die Jugend strömte ihm zu.
Die Zensoren waren empört. Tatsächlich fürchteten sie wohl die jungen Aufsteiger, die lediglich rhetorische Techniken, aber kein moralisches Fundament erlernt hatten. Gallus setzte sich über den unverbindlichen Zensorenspruch zwar hinweg, doch die Schule musste dennoch bald schließen: Im Zuge der sullanischen Reformen gab es kaum noch Auftrittsmöglichkeiten für Nicht-Senatoren – und die hatten einen Großteil der Klientel ausgemacht.





