“Ich freue mich über diesen wertvollen Preis und bin stolz, dass ich nunmehr in einer Preisträgerreihe mit Persönlichkeiten wie Reinhart Koselleck und Jan Assmann stehe. Es ist mir eine übergroße und kaum verdiente Ehre, diesen Preis zu erhalten”, betonte sie bei der Preisverleihung in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München am 8. November.
Die Preisträgerin erhält die Auszeichnung vornehmlich für ihr Buch „Des Kaisers alte Kleider. Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches“ (München 2008). Die Historikerin hat darin am Beispiel des Alten Reiches exemplarisch aufgezeigt, welche entscheidende Bedeutung Kommunikationsformen, Rituale und Symbole für Politik und Gesellschaft besitzen. Insbesondere liefern sie einen Schlüssel zum Verständnis von gesellschaftlichen Veränderungsprozessen. Mit der Kulturgeschichte des Politischen hat die Preisträgerin nicht nur die Erforschung der Frühen Neuzeit methodisch erweitert. Dieser Impuls hat auch eine breite Resonanz im Fach insgesamt gefunden.
Laudator Gerrit Walther, Historiker an der Bergischen Universität Wuppertal, ging in seiner Rede auf Stollberg-Rilingers Schaffen ein. Ein wichtiger, charakteristischer Zug in “Des Kaisers alte Kleider” und anderen Werken der Historikerin sei, dass konkrete, lebendige Menschen handelten. „Barbara Stollberg-Rilinger ist eine vorzügliche Historikerin, weil sie Menschen ernst nimmt“, betonte er. Zugleich habe sie es geschafft, historische Ereignisse in „eleganter, anschaulicher Klarheit und ohne Jargon und Wichtigtuerei“ zu schildern, würdigte er die Preisträgerin als „bedeutende Forscherpersönlichkeit“.
Die Preisträgerin lehrt und forscht seit 1997 am Historischen Seminar der WWU. Seit 2011 ist sie Sprecherin des Exzellenzclusters “Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne” der Universität Münster. 2005 erhielt sie den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 2012 zeichnete das Land Nordrhein-Westfalen sie mit dem Innovationspreis aus. Barbara Stollberg-Rilinger ist Mitglied zahlreicher Gelehrtengesellschaften und Gremien: So gehört sie beispielsweise seit 2006 der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften an, seit 2008 ist sie Mitglied im Hochschulrat der WWU.
Der Preis des Historischen Kollegs wurde vor 30 Jahren auf Initiative des Kölner Historikers Theodor Schieder, damals Kuratoriumsvorsitzender des Historischen Kollegs, ins Leben gerufen. Seit 1983 wurden mit ihm der Althistoriker Alfred Heuß, die Mediävisten Arno Borst und Johannes Fried, die Neuzeithistoriker Reinhart Koselleck, Thomas Nipperdey und Wolfgang Reinhard, der Ägyptologe und Kulturhistoriker Jan Assmann, der Wiener Wirtschafts- und Sozialhistoriker Michael Mitterauer sowie zuletzt Gerhard A. Ritter und Christopher Clark ausgezeichnet.





