Zwischen 1600 und 1770 erlebte Europa eine Epoche des Luxus und der glanzvollen Festtagskultur. Es gab einen großen Bedarf an Repräsentationsobjekten, der zu einer Blüte des Kunstgewerbes führte. Die Ausstellung zeigt anhand von herausragenden Objekten dieser Epoche die ganze Pracht der barocken Fülle. Wie ein rotes Band zieht sich dabei die geographische Gliederung nach den drei Ländern Deutschland, Frankreich und den Niederlanden durch die Abteilung.
Die ausgewählten Objekte repräsentieren nicht nur ästhetische Strömungen, sondern verleihen auch dem kulturellen Leben ihrer Entstehungszeit Ausdruck und zeugen von technischen Neuerungen im Kunsthandwerk. Trinkgefäße aus den unterschiedlichsten Materialien verweisen auf eine Trinkkultur, die auf die Einführung von Kaffee, Tee und Schokolade zurückzuführen ist. Die Ausstellung präsentiert eine Vielzahl von Keramik- und Glasobjekten, die durch wichtige technische Errungenschaften in der Zeit des Barock besonders begehrenswert waren. 1708 glückt am sächsischen Hof Johann Friedrich Böttger (1682-1719) die Herstellung von Porzellan. Es löst damit die Fayence, die ihren Höhepunkt in virtuos gestalteten Tierterrinen hat, in ihrer bisherigen Bedeutung ab. Fayence ist eine Keramik, die zeitlich vor der Erfindung des härter gebrannten Meißner Porzellans einzuordnen ist. Beide Keramiken haben chinesische Objekte zum Vorbild. Ende des 17. Jahrhunderts gelingt deutsch-böhmischen Steinschneidern durch die Verbesserung der Glasmasse das Glas zu stabilisieren und den Hoch- und Tiefschnitt zu einer nie mehr erreichten Vollendung zu bringen. Auf den Gläsern, insbesondere Trinkgläser, entstehen vielfältige Bilder nach graphischen Vorlagen mit einer ausdrucksstarken, symmetrischen Ornamentik.
Üppige Schautafeln, bestückt mit kostbarem Silbergerät, sind der Höhepunkt der barocken Prachtentfaltung. Die Goldschmiedekunst erlebt durch die Nachfrage an repräsentativen Objekten zur Selbstdarstellung der Fürsten einen nie gekannten Aufschwung. In vielen Regionen werden eigene markante Möbelformen, zum Teil aus exotischen Materialien, entwickelt. Der Frankfurter Schrank und der Hamburger Schapp sowie die berühmten Verwandlungsmöbel der Neuwieder Werkstatt von Abraham und David Roentgen sind Beispiele der stilistischen Vielfalt in dieser Epoche, die sich dem Besucher der neuen Barockabteilung übersichtlich und auf den Punkt gebracht präsentiert.





