Überraschend deswegen, weil Ostpreußen eigentlich protestantisch war, und zwar von Beginn an. Martin Luther persönlich riet 1523 dem damaligen Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Brandenburg, Spross einer Hohenzollern-Linie, er solle seinen Staat in ein weltliches Herzogtum umwandeln. Albrecht befolgte den Rat, legte den Hochmeister-Titel nieder und machte den vom einst riesigen Reich der Ordensritter verbliebenen Rest unter dem Namen Preußen zum ersten protestantischen Staat überhaupt.
Heiligelinde verdankte seine Sonderrolle der unmittelbaren Nähe zum vorerst weiterhin polnischen und damit katholischen Ermland. 1617 wurde mit dem Bau der heutigen Wallfahrtskirche begonnen, 1636 übernahmen die Jesuiten die Kirche und gestaltete sie in der für den Orden typischen üppigen Architektur. Vom beeindruckenden Klang der 1721 fertiggestellten Orgel konnten sich die Teilnehmer der DAMALS-Leserreise bei einem Konzert selbst überzeugen.
Die Jesuiten, die direkt dem Papst unterstellt waren, hatten eine klare Agenda: die Gegenreformation. Doch mit Ausnahme des Ermlands konnte der Orden in Ostpreußen (das Ermland wurde 1772 ostpreußisch) keine Erfolge verbuchen. Ostpreußen blieb protestantisch.





