Mit einer Umfrage erkundete im Jahr 2000 das Magazin „Life“, wer die bedeutendsten Künstler der Kunstgeschichte weltweit seien. Hokusai kam auf Platz 17, noch vor Picasso. In der Ausstellung, welche die gesamte, mehr als 70-jährige kreative Zeit Hokusais umfasst, kann man sich von der Genialität dieses großen Künstlers überzeugen. Über 30 Künstlernamen gab er sich im Laufe seines Lebens. Unter einem dieser Namen – Hokusai – ist er heute international bekannt. Sein vollständiger Name ist Katsushika Hokusai.
Im Jahr 1760 wird Hokusai in Honjo, einem Stadtteil von Edo geboren. Honjo ist heute ein Teil des Stadtbezirks Sumida in Tōkyō. Edo wurde nach der Meiji- Restauration 1868 in Tōkyō umbenannt. Die Stadtverwaltung von Sumida plant, dem weltberühmten Künstler, der den größten Teil seines Lebens in ihrem Bezirk verbracht hat, ein neues Museum zu widmen. Teile jener für das Museum vorgesehenen Sammlung sind nun für einige Wochen in Berlin zu sehen. Viele der Werke haben Japan noch nie verlassen.
Hokusais Vater kam aus Uraga in der Nähe von Edo, vor dessen Küste im Juli 1853, vier Jahre nach Hokusais Tod, der amerikanische Commodore Perry mit seinen „Schwarzen Schiffen“ auftauchen sollte, um darauf zu dringen, dass die seit 1635 bestehende Abschließungspolitik (sakoku) Japans beendet würde. Zeitweise wird Hokusai von seinem Onkel adoptiert, einem Spiegelmacher, der für den Hof des Shōgun arbeitet. Mit sechs kann er zeichnen. Mit 12 arbeitet er in einer der vielen Leihbüchereien von Edo. Bereits mit 18 ist er ein Meister im Holzschnitt. Der vielfarbige Farbholzschnitt wird in Japan seit den 1740er Jahren angewandt und erreicht in den 1790er Jahren einen ersten Höhepunkt. Hokusai hat großen Anteil daran. Mit bis zu 70 Farbplatten für einen einzigen Holzschnittdruck arbeiteten damals mehrere Künstler zusammen. Doch mit 22 Jahren will Hokusai eher Zeichner als Holzschneider sein.
Damals hatten sich die japanischen Papierhersteller und Verleger klugerweise auf die Herstellung von nur zwei Papierformaten (ōban und chūban) geeinigt, eine Rationalisierungsmaßnahme, die hohe Druckauflagen bei sinkenden Preisen ermöglicht. Bilder von schönen Frauen (bijin-ga), von Sumo-Ringern (sumo-e), deren Arenen in Honjo-Sumida errichtet waren, von Kabuki-Schauspielern, deren Theater sich in Honjo-Sumida befanden – es sind Ukiyo-e, Bilder der fließend-vergänglichen Fliegende Händler verkaufen die Bilder in ganz Japan. Das bürgerliche Publikum zählt zu den Hauptabnehmern. Der Begriff ukiyo meint auch eine unbeständige Welt in buddhistischem Sinne, lehrte Buddha doch auch die Vergänglichkeit aller Dinge. Doch auch Darstellungen von Blumen und Pflanzen, mit naturwissenschaftlicher Präzision gezeichnet, Illustrationen zu Romanen – schon um 1780 wurden 650 Romane gedruckt – oder klassischen Schriften wie Szenen aus dem Leben des Prinzen Genji, gehören in jener Zeit zum Repertoire eines Zeichners und Holzschnittkünstlers. Allein über 1000 Romanillustrationen entstehen damals aus Hokusais Hand.





