Die Begeisterung der Europäer für die ägyptische Geschichte, Kunst und Kultur entstand nach dem Ägyptenfeldzug Napoleons am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts und ist vor allem seit der Entdeckung des Grabes Tutanchamuns durch Howard Carter im Jahr 1922 ungebrochen. Auch an vielen Schweizer Museen und Privatsammlern ist diese Ägyptomanie nicht vorbeigegangen. In St. Gallen sind nun die bedeutendsten Grabschätze ausgestellt, die – unter anderem durch Mäzene – aus Ägypten in die Schweiz gelangten.
Die Grabschätze sind nur eine Auswahl aus ungefähr 30.000 Objekten, die seit dem 19. Jahrhundert in die Schweiz kamen. Bekannteste Exponate der aktuellen Ausstellung sind die Sarkophage mit der Mumie der Schepenese. Sie gelangten 1820 als frühste altägyptische Kulturgüter in die Eidgenossenschaft und werden heute in der berühmten St. Gallener Stiftsbibliothek aufbewahrt. Außerdem zu sehen sind der sogenannte Bauchsarg – der größte in der Schweiz vorhandene Sarkophag –, eine Kindermumie und eine Sammlung an Uschebtis, kleinen mumienartigen Stautetten, die den Verstorbenen auf seinem Weg ins Jenseits begleiten und dort seine Aufgaben wie etwa Feldarbeit verrichten sollten.
Ein schweres Schicksal erlitt die Mumie der Gem-tu-es, der Tochter eines Amun-Priesters. Nach einem Unfall – ihr wurde ein Fuß abgerissen – äscherte man sie 1948 ein. Nach altägyptischen Glauben machte diese Vernichtung der Mumie eine Fortexistenz der Toten im Jenseits unmöglich. In St. Gallen sind nun die Urne und der erhalten gebliebene prachtvolle Sarg ausgestellt.
In der Ausstellung wird neben einer anschaulichen Präsentation der Exponate besonderen Wert auf einen pietätvollen Umgang mit den tausende Jahre alten Mumien gelegt.





