Ob ein Reich von einem skrupellosen Diktator beherrscht wird oder von einer Regierung, die das Wohl der Bevölkerung im Auge hat, macht einen erheblichen Unterschied – das war schon vor hunderten und tausenden Jahren so. “Prämoderne Staaten waren in dieser Hinsicht gar nicht so anders als moderne”, sagt Gary Feinman vom Field Museum in Chicago.
Vergleichender Blick in prämoderne Gesellschaften
Auch wenn es damals noch keine Demokratien gab, waren viele Grundprinzipien ganz ähnlich: “Sie hatten keine Wahlen, aber dafür andere Kontrollmechanismen, die die Konzentration von Macht und Reichtum auf nur wenige einschränkten.” Wie Feinman und seine Kollegen erklären, gebot das oft schon der Eigennutz der regierenden Elite: “Diese Systeme waren für ihre Ressourcen stark von der lokalen Bevölkerung abhängig”, sagt Feinman. “Sie ist es, die letztlich die Regierung finanziert.” Per Definition sind Gesellschaften mit einer guten Regierung daher solche, in denen die Regierung die Bedürfnisse des Volks stillt.
Doch welche Auswirkungen hat eine gute oder schlechte Regierung langfristig auf die Stabilität einer Gesellschaft? Das haben Feinman und sein Team jetzt am Beispiel von 30 prämodernen Gesellschaften untersucht, darunter dem römischen Reich, der um 750 gegründeten venezianischen Republik, der ab 1368 in China herrschenden Ming-Dynastie und dem ab 1526 bestehenden Mogulreich in Indien. Diese vier Reiche hatten im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Systemen eine vergleichsweise gerechte Verteilung von Gütern und Macht, wie die Forscher erklären. Deshalb haben sie verglichen, ob diese Gesellschaftsformen länger Bestand hatten als andere Systeme und wie ihr Niedergang aussah.
Kollaps ist bei guten Regierungen schlimmer
Der Vergleich enthüllte, dass die prämodernen Gesellschaften mit guter Regierung zwar ein wenig länger hielten als autokratische Systeme, bei denen Macht und Reichtum auf nur wenige konzentriert waren. Doch wenn dann die Reiche kollabierten, war der Absturz bei den gut regierten meist umso schlimmer. “Die Staaten mit guter Regierung kollabierten gründlicher und schwerwiegender”, sagt Feinman. Der Grund dafür: Die Menschen in diesen Systemen verlassen sich stärker auf die staatlichen Organisationsformen und die Infrastruktur. Wenn diese dann jedoch zusammenbrechen, trifft es die Bevölkerung umso härter.
“Bei guter Regierung gibt es Infrastrukturen für die Kommunikation und Verwaltungen, die Steuern eintreiben, Dienstleistungen bieten und öffentliche Güter verteilen”, erklärt der Historiker. Institutionen und sozioökonomische Netzwerke sind hochgradig ineinander verwoben. Wenn dann dieses System kollabiert, ist auch der Alltag der Menschen stark betroffen. In autokratischen Systemen ist die Bevölkerung es eher gewöhnt, für sich selbst kämpfen zu müssen. “Wenn ein autokratisches System kollabiert, dann wechselt der Anführer oder die Hauptstadt, aber die Folgen reichen nicht bis ganz hinunter in den Alltag der Menschen.





