Die Gesellschaft der Moche bewohnte von etwa 300 bis 950 nach Christus neun Flusstäler an der Nordküste des heutigen Perus. Es handelte sich um eine hierarchische und hochentwickelte Zivilisation, wie die Überreste von städtischen Komplexen mit monumentalen Tempeln und einem Bewässerungsnetz sowie Kunsthandwerk aus Metall und Keramik bezeugen. Wie das Leben und die religiösen und politischen Machtstrukturen dort damals aussahen, ist bisher nur ansatzweise bekannt. Archäologische Funde belegen allerdings, dass die Autoritäten in der Moche-Gesellschaft oft Frauen waren, Kriege führten, Gottheiten verkörperten und an Ritualen teilnahmen. Es gibt auch Hinweise auf Pilgerfahrten und Allianzen zwischen den einzelnen Moche-Tälern.
Einige Funde legen zudem nahe, dass die Eliten dieser Gesellschaft in der Regel miteinander verwandt waren und ihren sozialen Status durch Vererbung weitergaben. Eindeutige Beweise dafür gab es jedoch bislang nicht, zumal schriftliche Dokumente der Moche nicht existieren.

Waren die Moche-Eliten miteinander verwandt?
Ob die Moche-Eliten miteinander verwandt waren, hat nun ein Team um Jeffrey Quilter von der Harvard University überprüft. Dafür untersuchten die Forschenden die Überreste von sechs Toten, die um 500 nach Christus in einem Tempel im Chicama-Tal in Peru bestattet wurden. Der 30 Meter hohe pyramidenartige und bemalte Lehmtempel Huaca Cao Viejo war für die Moche ein heiliger Ort, die Toten demnach hohen Rangs. Unter den Bestatteten waren vier Erwachsene und zwei Jugendliche, die jeweils zusammen mit einem Erwachsenen in einem Grab lagen. Eine der Frauen ist als Señora de Cao bekannt. Die Forschenden untersuchten per DNA- und Isotopenanalysen der Knochen und Zähne die familiären Beziehungen und die Herkunft der Toten.
Die Auswertungen ergaben, dass alle sechs Individuen biologisch miteinander verwandt waren. Sie gehörten zu einer Familie, deren Stammbaum sich über mindestens vier Generationen erstreckte. Drei der vier Erwachsenen waren Männer zwischen 20 und 30 Jahren, eingewickelt in Kleidung und Tücher. Darunter waren zwei Brüder der Señora de Cao sowie ein Großvater, der rund 40 Jahre vor den anderen Toten starb, wie die DNA-Analysen belegen. Die Señora war ebenfalls um die 30 Jahre alt. Sie lag in einem Grab etwas abseits, in noch mehr Tücher gehüllt und mit weitaus mehr und höherwertigeren Grabbeigaben als die Männer, darunter zeremonielle Speerschleudern und Keulen, goldene Kronen und Nasenschmuck. „Die männlichen Waffen und Nasenschmuck und die weiblichen Gegenstände lassen darauf schließen, dass die Señora de Cao einen sehr hohen Status hatte“, so Quilter und seine Kollegen. Von den Männern wurde nur ein Bruder der Señora zusammen mit reichlich Federn, Metall- und Keramikschmuck begraben, die anderen hatten kaum Grabbeigaben. Das lässt „darauf schließen, dass die Vorstellungen von Reichtum und Status in der Moche-Kultur kompliziert waren“, so das Team.





