Nach kürzeren Kapiteln zur Geschichte des Mauerbaus, von den Anfängen der Graffiti bis zur Entstehung einer eigenen Kunstform und einer Vorstellung der Künstler beschäftigt sich das Buch auf etwa 260 Seiten mit den Hunderten von Bildern und den genauen Wortlauten einzelner Graffiti. Die Abbildungen werden genau beschrieben, wenn möglich werden die Künstler bzw. deren Pseudonyme und die Entstehungszeit genannt. Die Darstellungen sind aufgrund der großen Anzahl unbekannter Künstler entsprechend umfangreich. Allerdings lässt sich an den meisten von ihnen unverhohlene Kritik an dieser Form der Grenzsicherung ablesen. So stellen viele auf recht drastische Weise die Gewalt der Grenzsoldaten an den Flüchtlingen dar, andere zeigen ein imaginäres Loch in der Mauer. Eins haben alle Graffiti allerdings gemeinsam: Sie gaben den meist trist-grauen Grenzbereichen einige erfreuliche Farbkleckse und machten die „Staatsgrenze der DDR zu Berlin-West“ öffentlich lächerlich. Besonders in den 80er Jahren rückt, bedingt durch die beiderseitige beschleunigte Aufrüstung, das Thema Kalter Krieg in den Vordergrund. So wurde die Mauer auch zu einem Medium der Anti-Kriegs-Bewegung. Einzelne Künstler erlangten sogar internationale Berühmtheit – etwa Christophe Bouchet durch seinen unverwechselbaren Malstil und seine an der Mauer befestigten Objekte.
Rezension: Schultze, Christopher





