Die römische Legion Legio X Fretensis war ein schon unter dem römischen Kaiser Augustus gegründeter Truppenteil, der speziell für die Niederschlagung von Aufständen zuständig war. Die Soldaten dieser Einheit kämpften im 1. Jh. vor allem gegen den jüdischen Widerstand in den römischen Provinzen Judäa und Syria. Sie zerstörten das Kloster von Qumran und waren an der Belagerung Jerusalems und der Bergfestung Masada beteiligt. Nach der blutigen Niederschlagung der jüdischen Rebellion blieb die Legio X Fretensis in zahlreichen Garnisonen des Nahen Ostens stationiert.
Eine römische Festung am Schwarzen Meer
Doch dort blieben die Soldaten der berüchtigten Legion nicht, wie nun Funde nahe dem georgischen Küstenort Batumi am Schwarzen Meer belegen. Im 2. Jh. lag dort, in der antiken Region Kolchis, die römische Festung Apsaros. Die dort stationierten Soldaten sollten die Grenze der römischen Provinz Kappadokien schützen, Apsaros war wegen seiner strategisch bedeutsamen Lage wichtig für die Sicherung der Ostgrenze des Römischen Reichs. Heute sind von dieser vor rund 2000 Jahren errichteten Festung Reste der Mauern sowie Ruinen verschiedener Gebäude erhalten, darunter auch das Haus des römischen Garnisons-Kommandeurs mitsamt eines Bodenmosaiks.
Bei Ausgrabungen in Apsarus hatten Archäologen eines georgisch-polnischen Grabungsteams auch hunderte römischer Münzen auf dem Gelände der römischen Garnison gefunden. Weil es in Kolchis keine eigene Münzprägungsstätte gab, stammten diese Münzen vorwiegend aus anderen römischen Provinzen. Die Soldaten und Legionen brachten ihr Geld mit, als sie an der Schwarzmeerküste stationiert wurden. “Auch ihre große Zahl ist erstmal nicht überraschend”, erklärt der Archäologe und Numismatiker Piotr Jaworski von der Universität Warschau. “Es handelte sich nur um kleine Denominationen, wie sie täglich für das Kaufen von Lebensmitteln oder Dienstleistungen verwendet wurden.”
Münzen mit Gegenstempeln der Legio X
Die Besonderheit jedoch: Auf einigen dieser ursprünglich im syrischen Antiochia und in Judäa geprägten Münzen entdeckte Jaworski zusätzliche Prägemarken, auch Gegenstempel genannt. “Solche Gegenstempel wurden genutzt, um die Gültigkeitsdauer von Münzen zu verlängern, wenn die ursprünglichen Stempel durch den jahrzehntelangen Gebrauch kaum mehr zu erkennen waren”, erläutert Jaworski. “In diesem Falle trugen die Gegenstempel die Symbole der Legio X Fretensis.” Typische Münzmarker dieser Legion waren Abbildungen von Stieren, Ebern oder auch Kürzel wie X, XF oder LXF.
Diese Münzen belegen, dass zumindest Teile dieser berüchtigten Legion damals an der Schwarzmeerküste stationiert gewesen sein müssen. “Bisher hatten wir zwar Quellen, die über die Präsenz dieser Legion in Satala, dem heutigen Sadak in der Türkei, berichten”, erklärt Jaworski. Demnach waren diese Soldaten im Jahr 114 zugegen, als der römische Kaiser Trajan von Antiochien aus das rund 250 Kilometer westlich von Apsaros gelegene Satala erreichte. Der Kaiser bereitete sich damals auf den Feldzug gegen die Parther vor. Die Münzfunde belegen nun, dass die Legio X Fretensis im gleichen Jahr auch schon in Kolchis stationiert war – es handelt sich um den bisher nördlichsten eindeutig nachgewiesenen Standort dieser Truppen.





