Michel“ nennen die Hamburger ihre Kirche St. Michaelis, die seit langem Wahrzeichen der Hansestadt ist. Nur wenige Jahre nachdem der Kirchenbau abgeschlossen war, entstand nur einige Gehminuten entfernt eine Reihenhaussiedlung. Das Krameramt, ein 1375 gegründeter Zusammenschluss der Kleinhändler (Kramer oder Krämer) mit Laden oder Stand in Hamburg, ließ 1676 zwei Häuserzeilen mit insgesamt 20 baugleichen Wohnungen errichten.
Die Witwen verstorbener Mitglieder sollten darin leben. So besetzten diese nicht mehr die Ladengeschäfte der verstorbenen Amtsbrüder, und neue Mitglieder konnten dort ihre Gewürze, Seidenstoffe oder Eisenwaren feilbieten, was im Interesse der wohlhabenden Berufsorganisation lag. Die Wohnungen entsprachen einer für diese Zeit typischen Form selbstorganisierter Altenversorgung. Die Witwen durften bis an ihr Lebensende mietfrei darin wohnen und erhielten vom Krameramt zudem eine kleine Rente.





