Blankgeputzte Ruinen, effektvoll flankiert von ungeordneten Trümmerhaufen und malerisch eingebettet in eine gepflegte Parkanlage – das ist die antike Maya-Stadt Labná, keine zwei Autostunden von der modernen Metropole Mérida entfernt und einer der vielen Orte auf Yucatán, an denen Mexiko heute stolz seine kulturellen Wurzeln inszeniert.
„17.12.1886. Ab nach Labná. 18.12. Mit Aushauen begonnen. 19.12. Weiter ausgehauen.“ Der Deutsch-Österreicher Teobert Maler, ehemaliger Söldner und begeisterter Pionier der noch jungen Maya-Forschung, beginnt seine beispiellose Entdeckungsreise durch die versunkene Welt eines uralten Kulturvolks. Auf zahlreichen Expeditionen kämpft er sich verbissen durch die dichten Tropenwälder Yucatáns. In knapp 20 Jahren erkundet er über 150 Ruinenorte, von denen er viele selbst entdeckt. Er liefert präzise Beschreibungen, er vermißt, zeichnet Pläne, macht Skizzen – und er fotografiert. Vier Kameras und 20 Objektive schleppt er zeitweise durch den Dschungel.
Malers Bilder, die sich heute überwiegend im Besitz des Ibero-Amerikanischen Instituts in Berlin und des Völkerkundemuseums in Hamburg befinden, sind bis auf wenige Ausnahmen von bestechender Qualität. Ihren unschätzbaren wissenschaftlichen Wert dokumentiert Malers monumentales Werk „Península Yucatán“, herausgegeben 1997 aus dem Nachlaß von Hanns J. Prem. Hier finden sich auch seine Tagebucheinträge aus den Jahren 1886 bis 1895.
Am 12. Januar 1842 kommt Teobert Maler in Rom zur Welt. Sein Vater bekleidet dort den Posten des badischen Geschäftsträgers beim Heiligen Stuhl. Zwei Jahre später, auf der Rückreise der Familie nach Deutschland, stirbt die Mutter. Fortan leidet Teobert unter dem ungeliebten Vater, zieht sich zurück, liest viel und wird „sehr früh reif, namentlich sehr aufgeklärt“. 1857 nimmt er auf Drängen des Vaters in Karlsruhe das Ingenieur-Studium auf. Nebenher studiert er, was ihm wirklich gefällt: Architektur. Mit 20 Jahren sagt er der Technischen Hochschule frühzeitig „ade“ und reist nach Wien, wo er vorübergehend als Gehilfe in einem Architekturbüro arbeitet. Bezaubert von dem altehrwürdigen Charme der Donaumetropole, nimmt er kurz entschlossen die österreichische Staatsbürgerschaft an.
Im Juni 1864 trifft Maler die folgenschwerste Entscheidung seines Lebens: Er meldet sich als Freiwilliger für das Expeditionskorps des österreichischen Erzherzogs Maximilian in Mexiko. Dort haben endlose Bürgerkriege die Wirtschaft lahmgelegt, und nun soll Maximilian, auf Frankreichs Betreiben zum Kaiser von Mexiko erhoben, für Ordnung sorgen und die europäischen Außenstände eintreiben. Am 30. Dezember 1864, kurz vor seinem 23. Geburtstag, betritt Teobert Maler als Kadett der kaiserlichen Pioniere im Hafen von Veracruz erstmals mexikanischen Boden. Von Beginn an erweist sich Maler als guter Soldat. Er erhält die bronzene und die silberne Tapferkeitsmedaille, zeigt Führungsqualität und steigt innerhalb von drei Jahren zum Hauptmann auf. Und doch findet er immer wieder Zeit, die Schönheit der Landschaft und die malerisch gelegenen Städte zu preisen. Als sich nach der Hinrichtung Maximilians im Juni 1867 die von der mexikanischen Befreiungsarmee besiegten österreichischen Truppen in Richtung Heimat einschiffen, bleibt Malers Platz leer: Der Zauber Mexikos hat ihn in seinen Bann geschlagen.





