In einem klugen Essay befasst sich der französische Historiker Patrick Boucheron intensiv mit diesem Kunstwerk, interpretiert seine Ikonographie und bezieht es zugleich auf die politische Situation, in der es entstand. Siena, regiert von einem Neunerrat, stand damals vor der Gefahr, dass die kommunalen Werte schleichend unterwandert würden; man versprach Wohlstand und Frieden, aber um den Preis der Freiheit. Und vor ebendieser Gefahr warnt das Fresko. Es stellt die Folgen einer guten und einer schlechten Regierung denjenigen mahnend vor Augen, die tagtäglich an diesem Ort herrschten und Recht sprachen. So gesehen erhält das Fresko eine Dringlichkeit, die sich auch heute noch mitteilt, da autokratische Herrschaft wieder um sich greift. Am Ende möchte man sich gleich nach Siena aufmachen, um das Fresko vor Ort anzuschauen.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Patrick Boucheron
Gebannte Angst
Siena 1338
Wolff Verlag, Berlin 2017, 270 Seiten, € 14,90





