Ich für meinen Teil fühle mich hervorragend“, verkündete Arthur Scargill, der Chef der britischen Bergarbeitergewerkschaft (NUM) vor dem Kongresshaus, dem Hauptquartier der Gewerkschaften, in London. „Die Gewerkschaft hat großartig reagiert, um Arbeitsplätze und Zechen zu retten.“ Was sich tatsächlich gerade ereignet hatte, war die vollständige Niederlage der NUM.
Ein Jahr hatten die Bergarbeiter gestreikt. Und schon seit Monaten hatten Gewerkschaftsführer geahnt, dass alles in einer Katastrophe enden würde. An diesem 3. März 1985 war es so weit. Die Zukunft der Bergarbeitergewerkschaft und letztlich der gesamten britischen Gewerkschaftsbewegung war besiegelt. Premierministerin Margaret Thatcher (1979–1990) und ihre Regierung hatten den Sieg davongetragen. Das Großbritannien nach dem Streik von 1984/85 war ein anderes als das davor. Eine grundlegende Machtverschiebung hatte stattgefunden.
Thatcher war 1979 an die Macht gekommen – und mit ihr eine Gruppe von Tories (Mitglieder der Konservativen Partei), die dem traditionellen Konservatismus abgeschworen hatte und radikal neue Ideen in der britischen Politik verwurzeln wollte. Vordenker dieser Gruppe waren die Wirtschaftswissenschaftler Friedrich von Hayek (1899–1992) und Milton Friedman (1912–2006), deren Anhänger seit den frühen 1970er Jahren mit zunehmendem Erfolg auf das internationale politische Parkett drängten und ab 1973 auch das ideologische Fundament für die Pinochet-Diktatur in Chile bildeten.
In ihrer ersten Legislaturperiode gab sich Thatcher noch verhältnismäßig moderat. Im Parteiprogramm verzichtete sie auf die meisten allzu radikalen Forderungen, um Wähler der Mitte nicht abzuschrecken. Nach ihrem Wahlsieg besetzte sie viele Ministerposten mit Politikern der alten konservativen Schule, die noch mächtig genug waren, ihr das Steuer nicht gänzlich überlassen zu müssen. Die offenkundige Absicht der Premierministerin, die mächtigen Gewerkschaften zu zerschlagen und den öffentlichen Sektor auf ein Minimum zu schrumpfen, stieß bei vielen Amtsträgern und Funktionären auf Unverständnis. Entsprechend schwach fiel der erste Schlag gegen die größte Gewerkschaft des Landes, die NUM, aus. Der Chef der Staatlichen Kohlebehörde (NCB) war kein Gefolgsmann Thatchers und nicht daran interessiert, den Konflikt mit der Gewerkschaft zu suchen. Die Regierung bezog die NCB dennoch ein, indem sie 1981 deren Budget beschnitt und sie so dazu zwang, Schließungen anzukündigen. Eine Reaktion folgte umgehend. Binnen weniger Tage streikte die Hälfte der britischen Bergarbeiter. Die Regierung knickte ein. Kaum hatte der Streik begonnen, war er schon wieder zu Ende. Aufseiten der Sieger herrschten Begeisterung und Feierlaune; aber einige ahnten bereits, dass die Regierung einen zweiten Versuch wagen würde.





