So kennt der Besucher das Museum: In einer Ausstellung zeigen sich die Objekte auf Sockeln und in Vitrinen, schön beleuchtet und aufwändig inszeniert. Aber wohin wandern die Dinge nach dem Ende einer Ausstellung und wo lagern Sammlungen, die noch nie in einer Museumspräsentation zu sehen waren?
In enger Zusammenarbeit mit Studierenden des Instituts für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft der Stiftung Universität Hildesheim hat Ulrich Menter, Leiter der völkerkundlichen Sammlung des Museums, die neue Ausstellung entwickelt. Im Rahmen des internationalen Forschungs- und Ausstellungsprojekts „Gegenwelten“ wurde ein Konzept erarbeitet, das die unbekannte Seite zeigt, in der mit den Dingen anders umgegangen wird, als wir es von einem Museum gewöhnt sind.
Entstanden ist eine Präsentation mit rund 300 Exponaten, Fotos, Filmen und interaktiven Elementen, die dem Besucher einen Einblick in das sonst unsichtbare Innere des Museums ermöglicht. Hier führen die Objekte ein streng geregeltes „Leben“ jenseits ihrer quasi „offiziellen“ musealen Präsentation und Deutung: mit Sammlungsnamen, Inventarnummern oder Standortbezeichnungen.
Die Ausstellung fragt aber auch, wie die Dinge in das Hildesheimer Museum gelangt sind. Sechs ausgewählte Biografien von Sammlerpersönlichkeiten erzählen, wer die Sammlungen angelegt oder Objekte für das Museum erworben hat. Vorgestellt wird unter anderem Ferdinand Roemer (1818-1891), der Bruder des Museumsgründers Hermann Roemer, der von 1845 bis 1847 nach Nordamerika reiste: Er nahm 1847 an einer Expedition in das Gebiet der Komantschen am Colorado River teil, bei der ein Friedensvertrag zwischen den Komantschen und deutschen Siedlern unterzeichnet wurde.
Darüber hinaus verfolgt die Schau die Stationen, die ein Objekt im Museumsbetrieb durchläuft – vom Transport in das Museum über die verschiedenen Arten der Erfassung und Kennzeichnung bis hin zur Einordnung ins Depot – und veranschaulicht dabei zum Beispiel welche Anforderungen an den Schutz und den Erhalt von Objekten gestellt werden oder welche Möglichkeiten und Grenzen die restauratorische Arbeit hat.
Und schließlich reicht die Ausstellung auch über das Museum hinaus: Ein von den Studierenden der Universität Hildesheim entwickeltes Vermittlungsprogramm mit interaktiven Elementen bezieht ausgewählte Orte und Objekte im Stadtkern von Hildesheim in die Ausstellung ein.





