Basierend auf historischen Quellen und wissenschaftlichen Studien, spürt der Autor den fassbaren Vorgängen und Orten des Geschehens nach. Er akzentuiert dabei besonders die Opferperspektive. Die Frage nach der jeweiligen Erinnerungskultur vor Ort ist für Geissbühler zentral. Entsprechend gestaltet sich der Aufbau des Buchs.
Dem von Geissbühler beabsichtigten wissenschaftlichen Anspruch wird die Studie jedoch nur beschränkt gerecht. Der Autor hat sich mit der Wahl seines Untersuchungsraums auf ein mehr als schwieriges Terrain begeben. Das betrifft vor allem die komplizierte Verflechtung der oft gegensätzlichen Erinnerungskulturen im rumänisch-sowjetischen (heute ukrainischen) Grenzgebiet. Auch ist die Quellenlage zu diesem Thema nicht leicht in ihrer ganzen Breite zu beherrschen; so lässt Geissbühler eine ausgewogene Berücksichtigung und Darstellung der Archivsituation mit ihrer spezifischen Quellenlage vermissen. Zudem sind Aussagen und Zitate teilweise redundant.
Die gute Lesbarkeit, ergänzende Quellenausschnitte, die fotografische Dokumentation und der weiterführende wissenschaftliche Apparat stellen jedoch für den Einstieg in das Thema eine hinreichend gute Basis bereit. Eine Übersetzung der populärwissenschaftlichen Studie für die breitere rumänische wie ukrainische Öffentlichkeit wäre wünschenswert. Insgesamt gründet die Stärke dieser engagierten Spurensuche wohl in der Fortsetzung der bilddokumentarischen Arbeiten des Autors.
Rezension: PD Dr. Kurt Scharr





