Die Sabäer gelten als reiches antikes Handelsvolk, das in vorislamischer Zeit vom zweiten Jahrtausend v. Chr. an im Südwesten der Arabischen Halbinsel im Gebiet des heutigen Jemen lebte. Die sabäische Kulturepoche erforscht dort das Deutsche Archäologische Institut (DAI) in Zusammenarbeit mit Dr. Dana Pietsch und Dr. Peter Kühn vom Lehrstuhl für Physische Geographie von Prof. Thomas Scholten am Geographischen Institut der Universität Tübingen. Auf der Basis bodenkundlicher Untersuchungen in einem Oasengebiet am östlichen Rand der Wüste Ar-Rub’ Al-Khali rekonstruieren die Tübinger Forscher die Umwelt der Sabäer, sammeln aber auch Bodeninformationen aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit. Böden verändern sich infolge klimatischer Veränderungen, durch unterschiedliche Nutzung, Verwitterungs- und Umlagerungsprozesse. Die Sedimentschichtung in den Böden kann den Forschern als eine Art Geschichtsbuch dienen. Das Projekt liefert erste Seiten dazu, unter welchen Umweltbedingungen die Sabäer in diesem Gebiet gesiedelt haben und warum sie vor rund 3000 Jahren begonnen haben, mit einer hochentwickelten Technik eine riesige Fläche von mehr als 9600 Hektar zu bewässern.
Die Geographin Dana Pietsch arbeitet seit mehr als zehn Jahren in verschiedenen Projekten im Jemen und auf der Insel Soqotra. Die aktuellen Entführungen und Morde an Ausländern im Jemen erwecken das Bild einer gefährlichen Region. “Terroranschläge, die mit traditionellen Entführungen nichts zu tun haben, werfen seit einigen Jahren einen Schatten über das Land”, sagt sie. “Die Ökonomie und die Menschen im Jemen, vor allem die demokratisch gesinnten Kräfte, die das Land weiter nach außen öffnen wollen, leiden besonders unter dem zunehmend negativen Image.” Im Jahr 2000 sei es noch in nahezu allen Landesteilen möglich gewesen, sich frei zu bewegen. Seit Beginn ihrer Forschungen in den Oasen Ma’rib und Sirwah sind sie und ihre Kollegen vorsichtiger, da neben traditionellen Entführungen terroristische Anschläge wahrscheinlicher geworden sind. Bewacht werden das DAI-Team und die Geowissenschaftler von Angehörigen der beiden Stämme Ashraf und Dschahm sowie dem Militär. “Ohne den Schutz der Stämme könnte man in der Region nicht arbeiten. Bei ihnen ist man relativ sicher, da es der Ehrenkodex vorschreibt, in den Stamm aufgenommene Fremde zu schützen”, erzählt Dana Pietsch. Die Forscherin hat sich inzwischen an diese Verhältnisse gewöhnt. Sie hält die Berichterstattung über den Jemen in den Medien für einseitig: “Die Jemeniten sind – wenn man sie respektiert und die Gründe der wissenschaftlichen Arbeit
In Kooperation mit Dr. Iris Gerlach, der Leiterin der Außenstelle Sana’a des DAI, arbeitet Dana Pietsch in den beiden antiken Oasen Ma’rib und Sirwah am Wüstenrand. Ma’rib liegt rund 130 Kilometer östlich von Sana’a, Sirwah etwa 40 Kilometer westlich von Ma’rib, beide am Rand der Wüste Ar-Rub’ Al-Khali. In der Oase Sirwah werden vom DAI und der jemenitischen Behörde GOAM derzeit Tempelanlagen ausgegraben. Die Tübinger Arbeitsgruppe befasst sich mit Sedimenten und Böden in und um den berühmten Al-Maqqah-Tempel. Diese Untersuchungen tragen zur Erforschung der Bebauungsphasen bei. In der Umgebung der antiken Oase Ma’rib werden natürliche Böden und Sedimente über den gesamten Zeitraum des Holozäns seit 10.000 Jahren v. Chr. untersucht. Einerseits sollen dabei natürliche Böden von künstlichen Bewässerungssedimenten, die mindestens seit 600 v. Chr. bestehen, unterschieden werden. Andererseits soll der Übergang vom Nomadentum der Menschen und dem Regenfeldbau zur späteren Bewässerungslandwirtschaft zeitlich eingegrenzt werden. Das Gebiet um Ma’rib war einst ein Handelsknotenpunkt an der Weihrauchstraße. “Es gibt dort den weltberühmten Großen Damm von Ma’rib, dessen Vorgängerbauten aus der Zeit um 1200 v. Chr. stammen. Der Schweizer Forscher Dr. Ueli Brunner hatte bereits in den 1980er Jahren Fragen aufgeworfen, warum eine so großflächige Bewässerung notwendig wurde”, berichtet die Forscherin. Gab es im Umfeld der Oase keine ausreichenden Bodenressourcen oder reichten die Niederschläge nicht mehr aus? Oder wuchs die Bevölkerung und die Größe der Karawanen in der Antike so stark an, dass viel mehr Getreide produziert werden musste?





