Als „wundervollen Erfolg“ bezeichnete Chiang Kai-shek, der Präsident der Republik China (Taiwan) (1950 –1975), den Vertrag zur gegenseitigen Verteidigung, den sein Außenminister George Yeh am 2. Dezember 1954 gemeinsam mit US-Außenminister John Foster Dulles unterzeichnete. Sein erklärtes Ziel, eines Tages die von den Portugiesen einst Formosa genannte Insel zu verlassen und ganz Festlandchina zurückzuerobern, sollte er zwar nicht mehr erreichen. Aber die schriftlich garantierte Hilfe der Amerikaner bei einem Angriff der Kommunisten sorgte immerhin dafür, dass die Existenz eines freien Taiwan in Zukunft gesichert sein sollte.
Das war keineswegs eine Selbstverständlichkeit. In den vergangenen Jahren hatte sich die Lage in Taiwan mehrmals grundlegend geändert: Die Insel wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der chinesischen Regierung übergeben. Die Beamten und Soldaten vom Festland, die nun nach Taiwan kamen, um dort die Herrschaft zu übernehmen, hatten für die einheimische Bevölkerung nicht viel übrig. Der vorherrschenden Meinung zufolge war die Insel von der Kultur der japanischen Besatzer verdorben. Die Taiwaner wiederum hielten die Festlandchinesen für unfähig und ungebildet – ein Eindruck, der sich verstärkte, als auf dem Festland der Bürgerkrieg ausbrach und Taiwan zunehmend als Materiallager für die Kriegsmaschinerie herhalten musste. Öffentliche Einrichtungen und Infrastruktur verfielen in kürzester Zeit. 1947 brach eine Rebellion aus, die blutig niedergeschlagen wurde. Die Regierung zog in Taiwan massiv Truppen zusammen – vermutlich weil sich eine Niederlage im Bürgerkrieg abzeichnete und Chiang Kai-shek Taiwan als Rückzugsort und Bollwerk gegen die Kommunisten nutzen wollte.
Als der Sieg Mao Zedongs feststand, kamen 1,5 Millionen Festlandchinesen nach Taiwan. Das bedeutete eine enorme Belastung für die Inselbevölkerung, die jedoch für keinen Moment mit einer Hinwendung zu den Kommunisten liebäugelte. Mao hatte in Taiwan keine Basis. Das hielt ihn nicht davon ab, Taiwan nun für seine am 1. Oktober 1949 gegründete Volksrepublik zu beanspruchen. Zuvor hatte er Taiwan meist in einem Atemzug mit Korea und anderen Ländern an der chinesischen Peripherie genannt, die zwar nicht Teil Chinas waren, aber durch die von China ausgehende Revolution früher oder später aus freien Stücken zur Volksrepublik stoßen würden. 1950 standen die Dinge anders; Mao hatte Invasionspläne.
US-Präsident war zu dieser Zeit Harry S. Truman (1945 –1953), sein Außenminister Dean Acheson (1949 –1953). Acheson war überzeugt, dass Taiwan bis Ende 1950 an die Volksrepublik fallen werde, ganz gleich, ob die USA versuchen würden, das zu verhindern. Die Truman-Regierung fällte deshalb die Entscheidung, Taiwan bei einer Invasion der Kommunisten nicht zu Hilfe zu kommen. Dies geschah zum Missfallen von Verteidigungsminister Louis Johnson (1949 –1950), der – wie viele Generäle – den Standpunkt vertrat, dass Taiwan verteidigt werden müsse. Hinter den Kulissen begann er damit, gegen Acheson zu arbeiten. Gleichzeitig forderten einige Senatoren der oppositionellen Republikanischen Partei eine Garantie für Taiwans Sicherheit. Als Chongqing, Chiangs letzter Brückenkopf auf dem Festland, an die Kommunisten fiel, wurden die Rufe noch lauter. Außenminister Acheson blieb allerdings bei seiner Position. Er war der Ansicht, die Sowjetunion werde früher oder später ihr imperialistisches Gesicht zeigen und Gebiete von China fordern. Die Kommunisten würden sich gegeneinander wenden, und die USA dann bereitstehen, um der chinesischen Bevölkerung eine Alternative zu bieten: den Weg in die freie Welt.





