Noch heute zeugen prunkvolle Überreste von der einstigen Bedeutung der antiken Großstadt Ephesos. Bis zum Ende des römischen Reichs dominierte die reiche Metropole die Region im Westen Kleinasiens. Auch eines der sieben Weltwunder hatte Ephesos zu bieten: Den gigantischen Tempel der Artemis. In der Antike lag die Stadt direkt am Meer, doch im Laufe der Zeit verschob sich die Küstenlinie nach Westen, so dass sich die Reste der Stadt heute mehrere Kilometer landeinwärts befinden. Bereits seit dem 19. Jahrhundert legen österreichische Archäologen die Überreste von Ephesos frei. Neben Bauwerken, diversen Materialfunden und menschlichen Überresten gibt es auch zahlreiche Reste tierischer Herkunft, die wertvolle Informationen zur damaligen Lebensweise und Tiernutzung liefern. Für diese speziellen Funde wurde nun das BoneLab eingerichtet.
Einblicke in antike Mensch-Tier-Beziehungen
„Uns geht es nicht nur darum herauszufinden, welche Tiere in bestimmten Zeitabschnitten gelebt haben, uns interessiert vor allem, wie Tiere damals genutzt, gehalten oder bejagt wurden”, erklärt Gerhard Forstenpointner von der Vetmeduni Vienna. Die Archäozoologen interessieren sich letztlich für alle Aspekte der Mensch-Tier-Beziehung, die durch Funde von Tierresten abgebildet werden können. Wichtig sind natürlich Fragen der Ernährung: Welche Tiere wurden gegessen, wie wurden sie zerlegt und welche Teile kamen für den Verzehr in Frage? Aber auch die Rolle von Tieren bei Opferritualen interessiert die Forscher.
Was wurde im Tempel der Artemis geopfert?
„Der Tempel der Artemis in Ephesos war eine weit über die Grenzen Kleinasiens bekannte Opferstätte. Welche Tiere damals geopfert und welche Körperteile dafür verwendet wurden, all das liefert uns Hinweise über bestimmte Riten und soziale Strukturen”, so Forstenpointner. Er und seine Kollegen beschäftigen sich allerdings nicht nur mit Knochen: Sie analysieren auch die Darstellungen von Tieren. Denn Archäologen können abgebildete Wildtiere oder Fische oft nicht zuordnen – Archäozoologen können hier helfen.
Die Forscher konnten bereits Einblicke in den tierischen Speiseplan der einstigen Oberschicht von Ephesos gewinnen. Sie basieren auf Funden in den Überresten der sogenannten Hanghäuser, bei denen es sich um prunkvolle Anwesen gehandelt hat. „Tierische Überreste in den Häusern zeigen, dass die damals zubereiteten Speisen reichhaltig und vom Feinsten waren”, sagt Forstenpointner. „Die Menschen genossen damals zartes Fleisch von Jungtieren, darunter auch vom Schwein, das damals als besonders exklusives Speisetier galt. Außerdem waren Meerestiere wie Austern, essbare Meeresschnecken, Lippfische, Zackenbarsche aber auch Zander sehr beliebt.” Auch damals legte man schon Wert auf frische Kost: In einigen Anwesen befanden sich Wasserbecken mit fließendem Wasser, in denen man Süßwasserfische halten konnte, um sie möglichst frisch auf den Tisch bringen zu können.





