„Ich vermelde für dieses Mal dem Herrn Kanzler wiewohl aus traurigem Gemüt und betrübter Seele, daß mein Gnädiger Herr, der Herr Landgraf Friedrich, sich zur römischen katholischen Religion hat bereden lassen.“ So schrieb Curt von Lützow am 10. Januar 1637 aus Rom an Antonius Wolf von Todenwarth ins heimische Hessen – wo die Nachricht wie eine Bombe einschlug. Dabei hatte Lützow, der dem jungen Landgrafen als Hofmeister auf der Kavaliersreise zu Diensten war, schon seit einiger Zeit immer dringlichere Warnungen in den Norden geschickt: Von offenen und versteckten Bekehrungsversuchen des kaiserlichen Gesandten Savelli und der Kardinäle Barberini, der Verwandten des Papstes, war dort die Rede; man solle doch so schnell wie möglich dafür Sorge tragen, den jungen Landgrafen in die Heimat zurückzubeordern. Zwar hatte Georg II. von Hessen-Darmstadt seinen jüngeren Bruder immer wieder aufgefordert, die Heimreise anzutreten, doch alle diese Aufrufe waren vergeblich gewesen. Zu sehr hatte dieser Gefallen gefunden am scheinbar unbeschwerten Leben in der barocken Metropole Rom, wo man ihm, dem protestantischen Sproß aus altem deutschem Haus, die Wünsche von den Lippen las. Besonders empfänglich hatte sich Friedrich für finanzielle Zuwendungen gezeigt, denn die monatliche Apanage, die dem nachgeborenen Sohn nach dem Tod des Vaters zugesprochen worden war, vermochte seinem ausschweifenden Lebensstil in keiner Weise gerecht zu werden.
Nur ungern hatte ihn Georg, seit 1628 regierender Landgraf der Darmstädter Linie, im Jahr 1634 gen Süden ziehen lassen. Böse Ahnungen verraten jedenfalls die Zeilen, welche er seinem Bruder auf den Weg gegeben hatte: „Schließlich müssen wir auch Euer Liebden daran erinnern, daß sie lernen das Ihre in Acht zu nehmen und sich zu strecken nach der Decke, sparsam zu sein, keine unnötige Kostspielungen zu machen, und sich derwegen für prächtige Kleidungen, hohen Spielen, kostbaren Banketten, auch unnötigen Beschenkungen wohl vorzusehen, in Erinnerung des alten Reimes: der Pfennig, der da ward erspart, ist besser als der gewonnen ward.“ Es war das sprichwörtliche Pfeifen im Walde. Denn wo Friedrich während seines abenteuerlichen Lebens auch immer Station machen sollte, würde er einen Schuldenberg hinterlassen, den abzutragen er regelmäßig seine Verwandtschaft in Darmstadt bitten mußte.
Über Frankreich war der 19jährige Friedrich am 26. Oktober 1635 nach Rom gekommen, wo sich der Prinz-Kardinal Maurizio von Savoyen sogleich des jungen Standesgenossen annahm und ihn in die Familie des regierenden Papstes Urban VIII. Barberini einführte. Inmitten eines faszinierenden Hofes, den die Zeitgenossen bereits als theatrum mundi bezeichneten, nahm der Landgraf teil am regen kulturellen Leben der Stadt: Die Papstfamilie lud in ihrem prächtigen, soeben fertiggestellten Palast zu neuartigen Opernaufführungen ein. Diese fanden in einem eigens dafür erbauten Theater statt, das Platz für 2000 Personen bot. Im einzigartigen römischen Klima des kulturellen Wettstreits zahlreicher Adels- und Kardinalsfamilien verging kaum ein Tag ohne Festivität. Und überall war der junge Landgraf aus dem Norden ein gerngesehener Gast.





