Alexanders Erben – und der Nil
Die Herrschaft der griechisch-makedonisch-stämmigen Ptolemäer über Ägypten begann mit dem Tod Alexanders des Großen. Um 305 v. Chr. übernahmen seine Nachfolger die Herrschaft im Reich am Nil und machten Alexandria zu ihrer Hauptstadt. “Das Ptolemäische Reich besaß mit Alexandria eine der größten Städte im gesamten Mittelmeerraum, berühmt wegen seiner Bibliothek und dem Leuchtturm”, erklären Joseph Manning von der Yale University und seine Kollegen. “Die Stadt war damals ein Zentrum der Innovation und beherbergte so große Geister wie Euklid und Archimedes.”
Doch all die Pracht und Gelehrsamkeit Ägyptens ruhte auf tönernen Füßen: Die gesamte Nahrungsversorgung des Landes war direkt abhängig vom Nil und seinen sommerlichen Überschwemmungen. Erst sie brachten fruchtbaren Schlamm auf die Felder und lieferten genügend Wasser für den Pflanzenanbau. Blieb die Nilflut aus oder das Wasser stieg nur wenig, drohten der Bevölkerung Ägyptens Missernten und Hunger. So weit so bekannt.
Vulkangase schwächten die Nilfluten
Doch Joseph Manning von der Yale University und seine Kollegen haben nun einen bisher unbeachteten Akteur in diesem historischen Geschehen aufgedeckt: Vulkanausbrüche. Wenn bei Eruptionen auf der Nordhalbkugel oder in den Tropen große Mengen Schwefelgase ausgestoßen werden, verursacht dies nicht nur eine Abkühlung des Klimas, auch Niederschläge und Luftströmungen verändern sich.
Genau dies könnte auch während des Reichs der Ptolemäer zu Problemen geführt haben. Manning und seine Kollegen verglichen historische Aufzeichnungen aus Ägypten mit geologischen Hinweisen auf Vulkanausbrüche der letzten 2500 Jahre und stießen auf einen auffallenden Zusammenhang: Immer dann, wenn eine große Eruption stattfand, fiel die sommerliche Nilflut besonders schwach aus. Ein Klimamodell enthüllte den Grund dafür: Die Vulkangase schwächten den ostafrikanischen Monsun, wodurch es in den Quellgebieten der Nilzuflüsse weniger regnete. Als Folge stiegen auch die Pegel des Nils in Ägypten in diesem Jahr und meist auch im folgenden weniger stark an als normal.
Mehr Aufstände in Eruptionsjahren
Was aber bedeutet dies für das Reich der Ptolemäer? Das zeigte der Vergleich historischer Ereignisse mit den Zeiten niedriger Nilfluten. So fielen die 20 Jahre andauernden Aufstände von Theben ab dem Jahr 207 v. Chr. in eine Zeit, in der gleich mehrere große Vulkanausbrüche den Monsun und damit die Nilfluten schwächten. “Wir beobachteten eine klare Zunahme der Revolten in den Eruptionsjahren”, berichten die Forscher.
Und auch die berühmte Kleopatra, die letzte Königin der Ägypter, könnte die Fernwirkungen der Vulkanausbrüche zu spüren bekommen haben: Nach heftigen Eruptionen in den Jahren 46 und 44 v. Chr. vielen die Nil-Überschwemmungen fast komplett aus. Kleopatra linderte die Not der Menschen zwar vorübergehend, indem sie Getreide aus den königlichen Kornkammern verteilen ließ. Doch das reichte nicht, um die Ernteausfälle auszugleichen. Als Folge brach wenig später eine Revolte aus.





