Es fing ganz bescheiden an mit dem Adventskalender: Um die Mitte des 19. Jahrhunderts überlegten sich viele Eltern, wie sie die Vorfreude ihrer Kinder auf das Weihnachtsfest erhöhen und zugleich auf die Ankunft des Herrn einstimmen konnten. Einige Eltern bastelten Weihnachtsuhren oder Abreißkalender. Eine einfache Variante waren Kreidestriche an der Zimmertür, von denen das Kind jeden Tag einen wegwischen durfte. In anderen Häusern gab es Kerzen, die jeden Tag um ein markiertes Stück herunterbrannten.
1903 gab der Verleger Gerhard Lang in München den ersten gedruckten Weihnachtskalender mit 24 Feldern und Versen für jeden Tag heraus. Nach seinem Vorbild richteten sich auch alle späteren Adventskalender. Langs erster Adventskalender war mit Bildern zum Aufkleben versehen. Kalender mit Fensterchen, die aufgeklappt werden konnten und in denen dann Bilder zu sehen waren, kamen nach dem Ersten Weltkrieg auf. In den 1930er Jahren wurden die ersten Kalender mit Schokoladenfüllung hergestellt. “Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts ist die Vielfalt der Motive und Inhalte fast unbegrenzt. Viele Firmen nutzen den Adventskalender als Werbemittel”, so LWL-Volkskundler Thomas Schürmann. “Ein Großteil der Kalender hat keinen religiösen Bezug mehr. Daneben gibt es aber weiterhin in vielen Häusern selbstgebastelte Kalender, und auch Kalender mit christlichen Bildern und Sprüchen finden weiterhin ihre Liebhaber.”
Erster Adventskranz im “Rauhen Haus”
Parallel zum Adventskalender kam der Adventskranz auf. Der erste Adventskranz entstand im Hamburger Stadtteil Horn. Dort hatte der Lehrer und Theologe Johann Hinrich Wichern 1833 das “Rauhe Haus”, eine Einrichtung für heimatlose Kinder aus schwierigen Verhältnissen, gegründet. Am 1. Advent 1839 hängte Wichern im Betsaal des Rauhen Hauses zum ersten Mal einen Adventskranz auf. Dieser Kranz bestand aus einem alten Wagenrad mit aufgesteckten Kerzen: große weiße Kerzen für die Adventssonntage, kleinere rote für die Wochentage da¬zwischen. An jedem Tag in der Adventszeit wurde ein weiteres Licht angezündet. Bis zum 23. Dezember hing der Adventskranz im Betsaal, dann wurde ein Weihnachtsbaum aufgestellt. 1860 begann Wichern, das Wagenrad zur Adventszeit mit Tannengrün zu schmücken. So entstand der später geläufige Adventskranz. Bei ihm wurden später die kleineren Kerzen für die Wochentage weggelassen.
Verbreitung erlebten die Adventskränze durch den Ersten Weltkrieg und den Jahren danach. Eine wichtige Rolle spielten die Schulen. So berichtet ein pensionierter Lehrer aus der sauerländischen Gemeinde Drewer: “Ich habe den ersten Adventskranz im Dezember 1915 in einem Barackenlager deutscher Soldaten in Frankreich gesehen. 1921 erblickte ich ihn in der Kirche zu Menzel, eine Stunde von Drewer, allerdings mit violetten Schleifen und Bändern, aber mit roten Kerzen. Danach, etwa 1923, habe ich ihn in der Schule und in meiner Wohnung eingeführt. 1926 hing der erste in unserer Kirche.”





