Beeindruckende Funde aus Mykene und anderen archäologischen Stätten Griechenlands zeugen von einer bronzezeitlichen Zivilisation, die als erste Hochkultur des europäischen Festlands gilt. Neben Monumentalbauten und Kunstschätzen ist die mykenische Ära auch für eine bereits erstaunlich hohe Produktivität bekannt: In den Brenn- und Schmelzöfen wurden im Verlauf des 2. Jahrtausend v. Chr. massenweise Bronzewaffen sowie Keramiken hergestellt. Was in der holzarmen Region dabei für die nötigen Temperaturen gesorgt hat, war bisher unklar.
Zunächst stand diese Frage allerdings nicht im Fokus der Archäologen um Philipp Stockhammer von der Ludwig-Maximilians-Universität München: Sie wollten im Rahmen ihrer Studie eigentlich die Essgewohnheiten der bronzezeitlichen Menschen im östlichen Mittelmeerraum erforschen. Dazu suchten sie nach Spuren von Nahrungsmitteln in fossilem Zahnstein von Skelettfunden vom griechischen Festland über Kreta bis in den Nahen Osten und Ägypten. Wie das Team berichtet, wurde im Zuge ihrer Analysen dann allerdings deutlich, dass die Ablagerungen an den Zähnen eine reichere Informationsquelle darstellten, als zunächst gedacht:
Rauch-Spuren im Zahnstein
„Wir haben festgestellt, dass im Zahnstein nicht nur Mikroreste, Fette und Eiweiße des jeweiligen Essens eingebettet und über die Jahrtausende erhalten wurden, sondern auch all der Ruß und die Abgase, die durch das Einatmen in den Mund kamen“, berichtet Stockhammer. Wie die Wissenschaftler erklären, waren anhand bestimmter chemischer Merkmale der Partikel auch Rückschlüsse darauf möglich, was genau damals als Brennmaterial gedient hat.
Wenig überraschend erschien dabei zunächst, dass sie in vielen Fällen auf die Signaturen des Rauchs von Kiefern-, Pinien- und Eichenholz im Zahnstein stießen. Einige Menschen hatten außerdem Partikel eingeatmet, die entstehen, wenn man getrockneten Tierdung verbrennt – wie es auch heute noch in einigen holzarmen Regionen üblich ist. Doch dann entdeckten die Wissenschaftler noch eine überraschende Signatur: „Als wir die Datenserien aus der mykenischen Burg von Tiryns auf dem südgriechischen Festland und dem westkretischen Hafenort Chania analysierten, konnten wir es zunächst kaum glauben“, berichtet Co-Autor Stephen Buckley von der Universität Tübingen. „Die Hälfte aller Individuen, die wir aus beiden Orten untersuchten – Männer wie Frauen – hatten neben den zu erwartenden Hölzern ganz klar auch die chemische Signatur von Braunkohle im Zahnstein“.





