Bereits eine Reihe von Indizien setzte das Textilfragment unmittelbar in die Nähe des böhmischen Priesters. Eine Untersuchung in der Schweizer Abegg-Stiftung brachte schließlich Erstaunliches zu Tage: Der Stoff stammt tatsächlich aus dem späten 14. Jahrhundert und kann seiner Beschaffenheit nach mit dem Bescheidenheitsanspruch in der Tradition der Bettelorden in Verbindung gebracht werden. Der Fund könnte somit die einzige Reliquie Jan Hus‘ sein.
Dass das Bedürfnis nach Verehrung des Theologen groß ist, macht die Berliner Ausstellung mit weiteren Exponaten deutlich: Darunter findet sich beispielsweise eine Gedenkdose aus dem Holz eines Baumes, der auf der Verbrennungsstätte von Hus gewachsen sein soll. Weiteres Highlight ist eine Faksimileausgabe der Richental-Chronik, die das Prozessgeschehen und die Verbrennung des Reformators reich bebildert dokumentiert hat.
Die Berliner Ausstellung möchte die Bedeutung der Person Jan Hus und das Nachwirken seines Handelns bis in die heutige Zeit hervorheben: Als volksnaher und charismatischer Prediger gewann Hus schnell die Bevölkerung für seine Reformtheologie und wurde bald für die stark verunsicherte katholische Kirche zur Bedrohung. Der Konflikt zwischen Hus und der Kirche gipfelte 1414 in der Vorladung vor das Konzil. König Sigismund von Luxemburg hatte dem Prediger eigentlich freies Geleit zugesichert. Dennoch: Er wurde verhaftet und nach einem Prozess zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.
Die Ausstellung in Berlin ist eine Kooperation des Badische Landesmuseum Karlsruhe mit dem Unterlinden-Museum Colmar unter Schirmherrschaft des tschechischen Botschafters S. E. Rudolf Jindrak.
Am historischen Originalschauplatz, dem Konzilsgebäude in Konstanz, startet am 27. April die große Landesausstellung „Das Konstanzer Konzil. Weltereignis des Mittelalters 1414 – 1418“. Das Geschichtsmagazin DAMALS begleitet als Kooperationspartner die Ausstellung mit einem Titelthema in der aktuellen Februarausgabe.





