In Mitteleuropa begann die Eisenzeit etwa um 800 v. Chr. Um diese Zeit entwickelten die Menschen dieser Region Technologien, um aus Erz Eisen zu gewinnen. Doch auch schon vor dieser Zeit gab es vereinzelt Objekte aus Eisen. Diese wurden aus seltenen Funden von Meteoriteneisen hergestellt und galten als extrem selten und kostbar. Meist waren sie Herrschern und anderen Angehörigen der Eliten vorbehalten. Bisher haben Archäologen in ganz Eurasien und Afrika erst 55 solcher Objekte aus Meteoriteneisen gefunden. Allein 19 davon, darunter ein Eisendolch, stammen aus dem Grab des ägyptischen Pharaos Tutanchamun.
Rostige Pfeilspitze aus Bronzezeit-Pfahlbausiedlung
Angesichts der Seltenheit solcher Funde hat ein Team unter Leitung von Beda Hofmann vom Naturhistorischen Museum Bern nach weiteren Bronzezeit-Objekten aus Meteoriteneisen gesucht. Als potenziell vielversprechenden Ort dafür wählten sie eine bronzezeitliche Pfahlbausiedlung im schweizerischen Mörigen am Bielersee. Diese um 900 bis 800 v. Chr. bewohnte Siedlung liegt nur wenige Kilometer vom Streufeld des sogenannten Twannberg-Meteoriten entfernt. Dieser zur seltenen Gruppe der nickelarmen Eisenmeteoriten gehörende Brocken schlug vor rund 160.000 Jahren ein und hinterließ ein rund fünf Kilometer langes Feld von Fragmenten.
Es erschien daher durchaus naheliegend, dass die Bewohner der Siedlung verstreute Eisenstücke dieses Meteoriten entdeckt und verarbeitet haben könnten. Hofmann und seine Kollegen durchsuchten deshalb die im Laufe der letzten rund 150 Jahre in Mörigen gemachten Fundstücke nach metallischen Objekten, die aus diesem Meteoriteneisen bestehen könnten. Bei einer knapp vier Zentimeter langen, stark korrodierten Pfeilspitze aus der Bronzezeitsiedlung wurden sie fündig: SIe schien aus Eisen zu bestehen. Um dies zu bestätigen und Näheres über die Herkunft dieses Metalls zu erfahren, unterzogen die Wissenschaftler sie umfangreichen Analysen mittels Lichtmikroskopie, Rasterelektronenmikroskopie, Röntgentomographie, Röntgenfluoreszenz, Myonen-induzierter Röntgenspektrometrie (MIXE) sowie hochempfindlicher Gammaspektrometrie.
Eisen ist “himmlischen” Ursprungs
Die Analysen bestätigten, dass das Material der Pfeilspitze von Mörigen “himmlischen” Ursprungs sein muss. Dies belegte unter anderem der Nachweis des Isotops Aluminium-26 – einer Variante des Aluminiums, die nur unter dem Einfluss harter kosmischer Strahlung entsteht. „Damit konnten wir den zweifelsfreien Beweis erbringen, dass es sich bei dem Material um einen Meteoriten handelt, der über lange Zeit der kosmischen Strahlung im Weltall ausgesetzt war“, erklärt Co-Autor Marc Schumann von der Universität Freiburg. Damit muss diese Pfeilspitze aus Meteoriteneisen bestehen. Der Nachweis einer so frühen Verwendung von meteoritischem Eisen ist extrem selten, wie die Archäologen berichten.





