Heutzutage sind vor allem die großen christlichen Festtage wie etwa Ostern, Allerheiligen und Weihnachten in Bezug auf Brot- und Gebäckbräuche bekannt. Doch was steckt dahinter? Das christliche Osterfest liegt beispielsweise auf dem Termin eines antiken Frühlingsfestes, zu dem Fruchtbarkeit und Erweckung der Natur zu neuem Leben gefeiert wurde, aber auch die emsige menschliche Geschäftigkeit am Beginn eines neuen Jahres. Viele Osterbräuche deuten heute noch darauf hin. Denken wir an die bunten Eier, den Hasen als Fruchtbarkeitssymbol oder den Osterstrauß aus frisch geschnittenen Märzenbechern. Nicht alle Feste im christlichen Jahreskreis sind römischen Ursprungs, so kennt beispielsweise die jüdische Religion bereits die Fastenzeiten. Hier wie dort sind diesen entbehrungsreichen Tagen “fette” Zeiten vor- oder nachgeschoben. So charakterisiert die Faschingszeit üppiges Backwerk wie Krapfen oder anderes Schmalzgebäck. Diese Tradition ist nach wie vor sehr üblich. Dagegen gerät der Brotbrauch, am Palmsonntag oder an Allerheiligen prächtige Gebildbrote an die Patenkinder zu verteilen, mehr und mehr in Vergessenheit.
Auch für die persönlichen Festtage im Leben haben die Menschen bestimmte Bräuche rund ums Brot und Gebäck entwickelt: Brot als Geburtstalisman der Mutter, die Herstellung verschiedener Geburts- und Taufgebäcke, das Verschenken des ABC-Gebäcks zur Einschulung, Hochzeitssemmeln und Hochzeitstorten am Festtag der Eheschließung sowie Seelenwecken und Himmelsleitern anlässlich der Totenfeier. Diese Bräuche spielten in einer Zeit, da der Ablauf menschlichen Werdens und Vergehens mit einer viel bewusster gelebten Religiosität einherging, eine ganz bedeutende Rolle, doch sie sind heute nur noch wenigen ein Begriff.
Salz kommt aufgrund seiner konservatorischen Wirkung und seiner blendend weißen Farbe in den verschiedenen Religionen die Aufgabe zu, bestimmte Handlungen in ihrer Göttlichkeit zu untermauern, die Gläubigen zu schützen oder zu reinigen. Daneben spielt Salz eine wichtige Rolle beim Würzen der Speisen. Doch darf bei allen Vorteilen des Salzes die grundsätzliche Ambivalenz dieses Minerals nicht übersehen werden – insbesondere im Vergleich zum Brot. Zu viel Salz kann Essen ebenso schnell zerstören, wie es Ackerböden unfruchtbar und Trinkwasser ungenießbar werden lassen kann. Das Thema Salz spielt für das Museum der Brotkultur eine wichtige Rolle, denn die Sammlung des Hauses ist im ehemaligen Salzstadel der Stadt Ulm untergebracht. Salz ist das “Komplementärgut” des Brotes und für den Alltag der Menschen gleichermaßen unentbehrlich. Salz spielt im Alten wie auch im Neuen Testament eine wichtige Rolle und ist Symbol göttlicher Bunde. Da war der Weg hin zum Symbol irdischer Verbindungen nicht weit und so wurde Brot und Salz bei Juden, Griechen, Römern, Christen und später den Muslimen gleichermaßen zum Symbol der Gastfreundschaft, wovon der noch heute geläufige Brauch zeugt, Brot und Salz beim Einzug in ein neues Heim zu schenken.





